#49 Singapur - Löwenstadt und Tigerstaat

Von Bali geht es in knapp drei Stunden in den Stadtstaat Singapur

SINGAPUR

24.05.26

5/24/202612 min read

Singapur - Löwenstadt und Tigerstaat

Nach einem ruhigen Flug landen wir am frühen Abend in Singapur. Das Grenzprozedere erfolgt vollautomatisch und unsere beiden Rucksäcke erscheinen schnell auf dem Gepäckband. Singapurs Airport Changi zählt nicht umsonst zu den Besten der Welt.

Wir ordern ein grab-Taxi, um zum Hotel zu gelangen. Auf unserer bisherigen Reise haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Fahrer aussteigen und beim Beladen des Kofferraums helfen. Unser öffnet nicht mal den Kofferraum von innen. Auch antwortet er nicht auf unsere Begrüßung. Unseren weiteren zaghaften Kommunikationsversuche enden im Nirvana. Ist das Singapur-Style? Glücklicherweise wird dieser Kommunikationsform an der Rezeption nicht fortgeführt und wir erhalten gleich Tipps, wo wir in der gegenüberliegenden Shoppingmall noch etwas Essen können.

Wir beziehen unser Zimmer, das vierzig Zentimeter breiter als das Bett lang ist.

Singapur ist die letzte Station außerhalb Deutschlands auf unserer Reise, während Kuala Lumpur, das nicht sehr weit entfernt liegt, unser erster Anlaufpunkt in Asien war. Singapur zählt zu den teuersten Städten der Welt. Zum Vergleich: In Kuala Lumpur hatten wir ein mehr als doppelt so großes, tip-top-ausgestattetes Appartement mit Infinitypool auf dem Dach inklusive Rooftop-Bar und schöner Aussicht auf die Stadt und haben nicht mal die Hälfte gezahlt.

Dass tropisch-feuchtes Klima vorherrscht, überrascht nicht, da Singapur lediglich 150 Kilometer nördlich des Äquators liegt. 

Mit seinen rund sechs Millionen Einwohnern ist Singapur der bevölkerungsreichste Kleinstaat der Erde und hat nach Monaco die zweithöchste Bevölkerungsdichte. Seine Fläche ist ungefähr so groß wie die von Hamburg. Singapur zählt neben Südkorea, Taiwan und Hongkong zu den Tigerstaaten. Im chinesischen Sprachraum nennt man sie auch die vier kleinen Drachen Asiens.

Es hat mit knapp 91.000 US-Dollar im Jahre 2024 weltweit das fünfthöchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, während Deutschland mit 56.000 US-Dollar auf Platz 18 liegt. Handel, Banken, Logistik und Industrie bilden die Säulen dieser wirtschaftlichen Stärke. Mit über elf Millionen Besuchern ist es auch eine der meist besuchten Städte weltweit.

Entdeckungstour durch Indien?!

Unser Quartier liegt am Nordrand von Little India, das wir als erstes am nächsten Tag besuchen. Viele Läden, viele Menschen, dynamisches Treiben, Enge und die typischen Gerüchte des indischen Subkontinents umwehen uns. Kaum westlich aussehenden Menschen treffen wir bei unserem schweißtreibenden Spaziergang bei 34 Grad im Stadtteil an. Man könnte wirklich meinen, man sei in Indien; lediglich die Kühe auf den Straßen fehlen. Wir ziehen weiter ins arabische Viertel und kommen vorher an einer katholischen Kirche vorbei, in der gerade ein kleiner Chor probt. An den Decken hängen moderne Monitore, wahrscheinlich um die Liedfolge im Gottesdienst anzukündigen. Wir ziehen dreihundert Meter weiter zur Sultan Moschee. Ein freundlicher, junger Mann spricht uns an und erzählt, dass die Moschee ursprünglich eine Kirche war. Dann bietet er uns an, die dreizehn Schritte des Gebets in der Moschee zu erklären und demonstriert diese. Das nenne ich mal interreligiösen Crashkurs.

Unsere kulturelle Rundreise durch drei Kulturkreise dauerte lediglich 3,5 Stunden. Die 34 Grad Lufttemperatur waren die größere Herausforderung.

Zum Füße hochlegen und Abkühlen ziehen wir uns in unser Miniappartement zurück. In der gegenüberliegenden Shoppingmall suche ich den Levis store auf. Eine neue Jeans könnte ich für zuhause gut gebrauchen. Die Preise sind günstig. Alle Hosen haben unterschiedliche Bundweite, aber eine einheitliche Länge von 32 Inch. Wenn jemand kürzere Beine hat, was für fast alle Kunden gilt, wird die Jeans einfach gekürzt. Doch bei mir hapert es an der Beinlänge. Größe 34 gibt es nicht.

Marina Bay und die Gardens by the Bay

Abends entern wir das sehr effektive und zuverlässige Metrosystem und fahren zum Hotel Marina by the Bay, das das Stadtbild sehr prägt. Auf drei Gebäudepfeiler wurde oben eine Etage, die wie ein Schiffsrumpf aussieht, draufgesetzt. Dort befinden sich eine Cocktailbar und der Pool, den nur Hotelgäste benutzen dürfen. Um den Pool zu nutzen, darf man über 1.000 Euro pro Übernachtung auf den Tresen blättern. Wie gesagt Singapur zählt nicht zu den Schnäppchen des Reisemarkts. Im fünften Stockwerk können wir über eine Brücke die Hotellobby queren, um auf der anderen Seite zu den „Gardens by the Bay“ zu gelangen. Ein sehr schön angelegter Park, in dem Einheimische flanieren, Sport treiben und sich treffen. Skulpturen ergänzen die Parkanlage.

Bäume mit Lichtershow - Gardens by the Bay

Diese achtzehn Bäume sind bis zu 50 Meter hoch und beherbergen bis zu 700 Pflanzenarten. Jeder Baum hat sein individuelles Pflanzendesign. Um Viertel vor Acht abends hat sich der Platz unter den Bäumen mit vielen Menschen gefüllt. Eine angenehme entspannte Stimmung, denn alle inklusive uns wollen die Lichtshow, die mit klassischer Musik untermalt ist, sehen. Und wir werden nicht enttäuscht. Wie ein Feuerwerk, nur ohne Knallgeräusche.

Hungrig laufen wir zum Metro und suchen ein indisches Restaurant nahe unserer Unterkunft auf. Um 21 Uhr speisen neben uns noch viele Familien im Lokal. Das Essen wird auf Bananenblätter serviert und schmeckt super. Gesättigt und zufrieden fallen wir ins Bett.

Spaziergang durch Gardens by the Bay

Lichtershow - Gardens by the Bay

Chinatown, Buddha und ein Bier im 33. Stockwerk

Am nächsten Tag widmen wir uns dem nächsten Kulturkreis - auf nach Chinatown. Chinesen bilden den Hauptanteil der Bevölkerung in Singapur. Als wir aus der U-Bahn aussteigen, erwarten wir ein enges, dichtes Gedrängel mit vielen kleinen Ständen in den Gassen, wie wir es in Kuala Lumpur erlebt haben. Doch wir treffen auf klinisch saubere Straßen mit geordneten Geschäften. Kein wildes Treiben.

Begeistert betreten wir einen Tintin-Laden, der Figuren und alle Bücher von Tim und Struppi verkauft. Auch passieren wir einen Stand mit Durianfrüchten, die streng riechen. Entweder man liebt oder hasst sie, erklärte uns der junge Mann an der Rezeption und wies daraufhin, dass man sie nicht mit ins Hotel nehmen darf. Auch in U-Bahnen darf man sie nicht transportieren.

Wir suchen den taoistischen Buddha Tooth Relic Tempel auf. Gerade rezitieren Mönche und Gläubige in der Haupthalle Gebete. Touristen dürfen an den Seiten den Tempel durchqueren. Lediglich das Fotografieren ist verständlicherweise verboten, gleichwohl einige Besucher das ignorieren. Würden Menschenmassen sich bei uns in einem Gottesdienst durch das Kirchenschiff schieben, wären wir sicherlich irritiert. Hier wird es mit buddhistischer Gelassenheit toleriert oder ignoriert. Die Atmosphäre in dem Raum mit den Gesängen und den endlos vielen kleinen Buddha-Figuren, die wir auch in benachbarten Räumen antreffen, hat etwas Magisches.

Nur ein kleines Stück weiter besichtigen wir mitten im chinesischen Viertel den hinduistischen Sri Mariamman Tempel. Auch ein Zeichen für das tolerante Miteinander der verschiedenen Kulturen in Singapur. Nun suchen wir die alte im viktorianischen Stil gebaute Markthalle Lau Pa Sat auf. Lau Pa Sat ist ein Hawker Center. Viele gibt es davon in Singapur. Es sind Orte, wo viele Essenstände gutes, preisgünstiges Essen anbieten. Alle asiatischen Geschmacksrichtungen sind vertreten. Hawker Center gibt es schon lange in Singapur. Früher zeichneten sie sich durch hygienische Probleme aus. Oft wurde in Schüsseln auf den Boden oder auf diesen direkt gespuckt. Die Regierung setzte diesem mit einer strengen Hygieneoffensive ein Ende. Aus dieser Zeit stammt immer noch das Verbot, dass man nicht auf den Boden spucken darf. Kaugummi darf man nicht einführen. Lediglich Apotheken dürfen auf Rezept bestimmte medizinische Kaugummis verkaufen. Generell ist Singapur eine sehr saubere Stadt. Nach dem wir eine Kleinigkeit gegessen haben, ziehen wir weiter Richtung Hafen zum Merlion, einen weißen wasserspeienden Löwenkopf, der auf einem Fischkörper gepfropft ist. Anschließend kapern wir einen Bus, um in unserem hiesigen Heim etwas abzukühlen.

Abschiedsbier im 33. Stockwerk

Tja - es ist der letzte Tag unseres Sabbatjahr, den wir gänzlich in einem nicht europäischen Ort verbringen. Über acht Monate Fernreise gehen zu Ende. Um dieses gebührend zu würdigen, fahren wir in die weltweit höchstgelegene Microbrauerei in einem Gebäude. Nach 33 Etagen spuckt uns der Fahrstuhl in 156 Metern Höhe aus. Wir bekommen einen Tisch draußen mit faszinierenden Blick über die asiatische Metropole Singapur. Zwei Biere kosten dreißig Euro, doch bei dem Blick und am letzten Abend sind sie eine sehr gute Investition.

Ruth fragt, wie es mir geht und wir blicken gemeinsam auf unseren vergangenen Monate zurück. Wir fühlen Dankbarkeit und Wehmut. Uns wird beiden klar, dass unser Reisemodus mit seinem Entdeckerleben vorerst zu Ende geht. Das erforschende, durch die Welt ziehende Reisen ist ein sehr großes Geschenk, das nicht selbstverständlich im Leben ist. Wir sind beide gerührt und nicht nur auf den Biergläsern bilden sich feuchte Tröpfchen. Sorglos und gesund konnten wir diese Monate genießen.

Es ist ein besonderer Lebenstil oder gar eine Lebensphase das Langzeitreisen und wir haben diese schon zum zweiten Mal im Leben genießen dürfen. Mit offenen Augen und Herzen sind wir durch Länder um den Pazifik gestreift und haben uns überraschen lassen. Wir spüren tiefen Dank in uns. Das Leben meint es bisher gut mit uns. Wehmütig blicken wir auf die vergangenen knapp neun Monate zurück.

Letzter Tag in Südostasien

Am nächsten Morgen brechen wir zum Flughafen auf. Im Gegensatz zu unserer ersten Taxifahrt in Singapur ist unser heutiger Taxifahrer gesprächig. Er will drei Monate China besuchen, nicht weil er dort familiäre Wurzeln hat, sondern deren Wirtschaftskraft beeindruckt ihn, teilt er mit. Wir fragen nach den Lebenshaltungskosten in Singapur. Wohnungen sind sehr teuer, doch die Regierung fördert diese mit einem Erbpachtsytem, so dass über 90 Prozent der Bevölkerung in eigenem Wohnraum wohnt, erfahren wir. Dabei achtet die Regierung darauf, dass jede Ethnie prozentual zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung im Wohnviertel vertreten ist. Dieses soll das Zusammenleben fördern und eine Ghettoisierung unterbinden. Autos sind teuer und man braucht eine Lizenz, um ein Auto in Singapur zu haben. Diese Lizenzen haben eine Gültigkeit von zehn Jahren. Danach darf man sich um eine neue bewerben. Eine zehnjährige Lizenz kostet ca. 70.000 Euro und aufwärts, erzählt unser Fahrer. Autozölle sind extern hoch und die Lizenzen limitiert, daher besitzen viele Einwohner kein Auto. Er sei jetzt 63 Jahre alt. Wenn er in Rente geht, wird er seine Wohnung und das Auto verkaufen und ins benachbarte Malaysia ziehen. Dort kann er sich für das Geld ein Haus mit Garten und Pool kaufen und von seinem Ersparnissen wie ein König leben, ergänzt er.

Flughafen mit tropischem Wald und Wasserfall

Wir erreichen den Flughafen, checken ein und durchstreifen den Flughafen. Zentral liegt das Gebäude „Jewel“ mit seiner Glaskuppel, unter der sich ein Tropenwald mit inneliegenden Wasserfall befindet. Jeden Morgen um 10 Uhr wird der Wasserfall aktiviert. Das Wasser stürzt von der Kuppeldecke hinab. Ein Skytrain, der zwei Terminals verbindet, fährt durch diese Tropenhalle. Im Gegensatz zu allen anderen Flughafengebäudeteilen ist der Tropenwald nicht klimatisiert. Als wir ihn betreten, transpiriere ich kräftig. All zulange weile ich nicht dort, da ich nicht schweißgebadet den Flieger entern will. Anschließend suchen wir den Schmetterlingsgarten im Flughafen auf. Ebenfalls tropisch warm. Ruth weilt dort länger, während ich mich nach einer kurzen Stipvisite in kühlere Gefilde zurückziehe.

Mittags hebt unser Flieger ab und uns ist wehmütig bewusst, dass dieses der letzte Flug unserer Reise ist. Ein wunderschöner Zeitraum in unserem Leben geht zu Ende.