
#26 Valle del Elqui
Mit dem Überlandbus geht es in sechs Stunden ins unspektakuläre La Serena und von dort in das grüne Valle del Elqui in Mitten beige-brauner karger Berge.
CHILE
11.01.2026
1/11/20267 min read
Valle del Elqui - Pisco, Mond und Sterne
La Serana
Von Valparaiso nehmen wir einen Bus in das sechs Stunden entfernt liegende La Serena. Die Busgesellschaften in Chile bieten unterschiedliche Kategorie an. Von einfach, über einfach mit Klimaanlage und normalen Reisebussen, die europäischen Standard entsprechen, bis hin zu Reisebussen, die insbesondere für Nachtfahrten breite und zu Betten umwandelbaren Sitzen anbieten. Wir nehmen die zweitluxuriöse Kategorie, die drei Sitze je Reihe hat, soliden Sitzabstand bietet und dessen Lehne sich weit nach hinten klappen lässt. Eine sehr entspannte Art zu reisen. Durch karge Täler und am Pazifik schlängelt sich die Straße entlang.




Abends erreichen wir unsere Unterkunft in La Serena, das die zweitälteste Stadt in Chile ist. La Serena ist der Zugangsort ins Valle del Elqui. Während wir auf unserer kleinen Terrasse sitzen besucht uns ein Kolibiri.
Wir erkunden am nächsten Tag die Stadt, die einen zentralen Platz und einen kleinen japanischen Garten hat. Beides nicht sonderlich spektakulär. Wir marschieren eine Allee zum Meer entlang, an dessen Ende der bekannte Leuchtturm von La Serena steht. Wer meint, bei Allee handelt es sich hier um eine schöne Flaniermeile, irrt. Es ist eine vierspurige Straße, die links und rechts von Büros und Gewerbebetrieben gesäumt ist und in der Mitte steht eine Doppelreihe von Palmen zwischen denen eine breite Sandfläche als Fussweg dient. Der Strand ist von Hochhäusern gesäumt. Es wirkt auf uns wie einer dieser spanischen Hochhaussiedlungs-Küstenorte, an denen wir nie Urlaub machen würden. Wir entscheiden unseren Aufenthalt um eine Nacht zu verkürzen und am nächsten Tag in das fünfzig Kilometer entfernt liegende Vicuna zu fahren.



















Abends lernen wir den Besitzer unserer Unterkunft kennen. Er stammt aus Hannover und hat an der deutschen Schule in La Serena als Erzieher gearbeitet und dann das Hostel gegründet. „HSV oder St. Pauli?“ lautet seine zweite Frage, nachdem die erste unserer Heimatstadt galt. Er selbst ist als Hannoveraner HSV-Fan, da er als kleiner Junge mit seinem Vater das Spiel Hannover gegen den HSV besucht hat und Uwe Seeler live gesehen hat. Wir sprechen ein wenig über politische Entwicklungen in Chile und Deutschland.




Pisco, Mond und Sterne
Das Valle del Elqui ist bekannt für seinen Pisco, einem Branntwein aus Muskateller-Trauben und seine Observatorien. Die Temperaturen in La Serena sind um die 20 Grad und es ist häufig wolkig. Wieso können in fünfzig Kilometer Entfernung Observatorien betrieben werden, fragen wir uns. Je näher wir uns mit dem Bus dem Ort Vicuna nähern, um so klarer ist der Himmel. Vicuna liegt auf 700 m Höhe und seine Lage zwischen Meer und Anden sorgt dafür, dass an über 300 Tagen (und vor allem auch Nächten) im Jahr wolkenloser Himmel existiert. Auch die Temperaturen sind in der Regel um die acht Grad höher als in La Serena. Die Dichterin und Diplomatin Gabriela Mistral, die 1945 den Literaturnobelpreis erhielt, wurde in Vicuna geboren und entsprechend verehrt.
Unsere nette Unterkunft mit schönen Garten liegt zentral in diesem kleinen Städtchen. Wir machen eine kleine Fahrradtour, doch die Hitze und das stete Bergauffahren bewegen uns dazu, diese Runde zu verkürzen.














Beim Abendessen kommen wir mit unseren Nachbarn ins Gespräch. Christina und Marco sind mit ihren beiden volljährigen Töchtern Dominique und Maite für einen Tag hier. Sie machen Urlaub in La Serena und wohnen etwas nördlich von Santiago de Chile. Dort herrschen aktuell um die 35 Grad und es sei nicht auszuhalten, daher machen sie Urlaub am Meer.
Sie fragen uns, wo wir waren und wie es uns gefällt. Von Patagonien schwärmen wir alle sechs. Als sie erfahren, dass wir als nächstes in die Atacama reisen, teilen sie uns mit, dass sie dort noch nie waren. Oft sehen die Touristen mehr vom Land als Einheimische. Auch ich habe drei von sechszehn Bundesländern noch nie besucht, erzähle ich. Sie legen uns den Besuch des Mamalluca-Observatorium nahe. Herzlich verabschieden wir uns voneinander.
Crashkurs in Astronomie
Auf den Bergen des Valle del Elqui liegen viele Observatorien, die meist der Öffentlichkeit allerdings nicht zugänglich sind. Eine besondere Ausnahme bildet das Mamalluca, das sich zur Aufgabe gemacht hat, Laien die Astronomie näher zu bringen. Per Shuttle gelangen wir abends zum zehn Kilometer auf einem Hügel liegenden Observatorium. Um das zentrale Observatorium herum gibt es auf dem Berghang sechs U-förmige Sitzmöglichkeiten, in deren Mitte jeweils ein Spiegelteleskop von ca. 140 cm Länge installiert ist. Pascal nimmt uns in Empfang und wir erfahren viel Neues. Auf der Nordhalbkugel wussten Seefahrer immer schon, wo Norden ist. Der Polarstern befindet sich genau in der Verlängerung der Erdachse. Auf der Südhalbkugel gibt es einen derartigen Stern nicht, deshalb orientiert man sich hier an dem Sternbild „Kreuz des Südens“. Der helle Mond steht hoch über uns, daher betrachten wir ihn durch das Teleskop und können die Krater sehen. Eine Besucherin fragt, ob man auch Satelliten sehen könne. Ja, und das sei ein Problem, vor allem dank Elon Musk, antwortet


Pascal. Über 13.000 Satelliten umkreisen die Erde. Wenn nun eine Langzeitbelichtung mit einem optischen Teleskop erfolgt und ein Satellit durchs Bild rauscht, war die Arbeit der Wissenschaftler für die Tonne. Später lesen wir, dass alleine über 9.000 Starlink-Satelliten von Elon die Erde umkreisen und tausende weitere geplant sind. Am Schluss betreten wir die Kuppel des großen Observatoriums und können durch das stärkere Teleskop den Saturn mit seinen Ringen mit eigenen Augen sehen. Ein eindrucksvoller und sehr informativer Abend, bei dem wir einiges Neues gelernt haben. Zufrieden erreichen wir spät unsere Unterkunft.








Tagsdrauf wollen wir eine bekannte Pisco-Destillerie besuchen, um mehr über die Herstellung des Pisco zu erfahren. Diese sei am Neujahrstag geschlossen, aber am Silvestertag bis 16.00 Uhr offen, teilt google uns mit. Also machen wir uns auf den Weg und stehen nach 1,5 Kilometer vorm verschlossenen Tor der Destillerie. Der Pförtner teilt uns mit, dass heute und morgen das Besucherzentrum geschlossen sei. Er hat eindeutig mehr Ahnung als google.
Ich unternehme noch eine kurze Wanderung auf einen Hügel. Oben angekommen treffe ich auf eine Marienstatue, die von den hohen Masten der Neuzeit bewacht wird. Für Gläubige stehen ein paar Kirchenbänke davor. Schon auf der Hinfahrt haben wir uns gefragt, wie Wein hier angebaut werden kann. Auf den kargen Berghänge wachsen Kakteen und Sukkulenten und im Tal erblicke ich üppige grüne Weinfelder. Schmelzwasser kommt aus den Anden und zwei Stauseen versorgen das Tal mit Wasser, erfahren wir von der Tourismusinformation.






Es ist kurz nach 15 Uhr und wir fragen in einem Restaurant nach, wie lange sie heute aufhaben. An Silvester schließen bis auf ein teueres Hotel alle Restaurants im Ort um 16.00 Uhr, erfahren wir. Da bestellen wir schnell und sind um Punkt Vier gesättigt. Der Kellner will wissen, woher wir kommen und schon ist er beim Thema Fussball. Er sein Fan von Real Madrid, findet aber den BVB Dortmund auch gut. Ob ich Dortmund oder Bayern-Fan sei, fragt er. Ich erzähle ihm von einem Hamburger Stadtteilverein, der in der ersten Liga spielt. Den kannte er noch nicht.
Wir verbringen einen gemütlichen Abend in unserer Unterkunft und stoßen um 0.00 Uhr auf der Dachterrasse mit Pisco sour aufs Neue Jahr an.
Am Neujahrsmorgen nehmen wir bei Sonnenschein den Bus zum Flughafen von La Serena, denn nun geht es weiter in die Atacamawüste.


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