
#27 Atacama - Die trockenste Wüste der Welt
Mondlandschaften, Vulkane, Steinwüsten, Salzseen, staubige und dünne Luft erleben wir.
CHILE
16.01.2026
1/16/20267 min read
Atacama - Sonne, Mond und Steine
Anreise
Parallel zur Küste fliegen wir eineinhalb Stunden über die Atacamawüste. Sie erstreckt sich zwischen Pazifik und den Anden. Ihre Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 1.200 Kilometer. Felswüsten, Vulkane und Salzseen erspähen wir von oben. Wir landen in Calama, das auf 2.000 m liegt. Eine Stadt, deren Bevölkerung vor allem von der Kupfermine Chuquicamata, einer der größten der Welt, lebt. Schon im Landeanflug sehen wir den riesigen Abbau in der Ferne. Chile hat noch mehr Minen und ist mit 25% Weltmarktanteil der größte Kupferexporteur der Welt. Wir übernehmen unseren Mietwagen und fahren durch karge Landschaften. Vor zehn Monaten hat es hier zuletzt etwas Regen gegeben, erfahren wir. Nahe Calama begleiten uns Solar- und Windkraftfelder, eine optimale Umgebung für diese beiden Arten der Energieerzeugung.
Als wir uns San Pedro de Atacama nähern, lacht uns der Vollmond über einem Vulkan an. Die Landschaft wird hügeliger und wir fahren an beeindruckenden Felsformationen, die zum berühmten Valle de Luna - Tal des Mondes gehören, vorbei.














Als wir San Pedro de Atacama erreichen, verschwindet der Asphalt, staubige, enge Gassen mit vielen Touristen und entsprechendem Autoverkehr empfangen uns. Glücklicherweise liegt unsere Unterkunft noch fussläufig, aber dennoch etwas außerhalb des Zentrums. Die Luft ist sehr trocken. Normalerweise habe ich nachts kein Trinkbedürfnis. Doch hier wecken mich meine trockenen Lippen. Am nächsten Tag erkunden wir die kleine Innenstadt mit ihren Lehmhäusern. Selbst einige Dächer sind mit Lehm statt Dachpfannen oder Wellblech bedeckt. Auch die kleine urige Kirche am schönen zentralen Platz ist aus Lehm gebaut und die Dachkonstruktion besteht aus Kakteenholz. Regen, der sehr selten hier vorkommt, kann Lehm wegspülen und die Häuser beschädigen. In der Touristeninformationen holen wir uns eine Karte der Umgebung und erhalten von dem sehr freundlichen Mitarbeiter viele Tipps für Unternehmungen. Nebenbei frage ich, wo all die Wassermengen für die 12.000 Bewohner und die große Schar der Touristen herkommen. Einzelne kleine Flüsse bringen Schmelzwasser aus den Anden, das ebenso wie der seltene Regen in Wasserreservoirs aufgefangen wird.




















Im Tal des Mondes
Mit dem Auto schleichen wir durch diese unwirkliche Welt mit unterschiedlichen Steinformationen. Die Landschaft scheint so fern ab von unserer Welt zu sein, dass selbst die NASA hier schon Material wie Fahrzeuge für ihre Mond- und Marsexpeditionen getestet hat. Wir gehen eine Rundweg mit drei Aussichtspunkten. Ordentlich schnaufen wir. Kein Wunder, denn wir befinden uns auf 2.400 m und die Luft ist 25 Prozent dünner als auf Meereshöhe. Vor der Höhenkrankheit wurden wir auch im Touristoffice gewarnt. Empfohlen wird Coca-Blätter zu kauen oder Coca-Bonbons zu lutschen, da beides die Sauerstoffaufnahme fördert. Also lutschen wir diese Drops. Selbst im Bett haben wir manchmal das Gefühl, dass wir nicht ausreichend Luft bekommen. Ruhig bleiben und tief einatmen, lautet dann die Devise.

Am Ende der Straße treffen wir auf die Felsformation Las Tres Marías („Die drei Marien“). Kurz darauf machen wir Halt, bei einer kleinen Salzmine, zwei verfallenen Lehmsteinhäusern, in denen früher Arbeiter lebten, die in dieser Welt Salz abbauten und Reste einer ihrer Maschine. Zum klassischen Programm von San Pedro de Atacama gehört es, abends zu einem der Aussichtspunkte, von denen man den Sonnenuntergang über dem Valle de Luna betrachten kann, zu fahren. Reichlich Menschen wollen dieses sehen, dennoch ist genug Platz für alle. Wir sitzen neben Christina und Sibelius, die aus Stuttgart kommen und plaudern, während wir auf den Sonnenuntergang warten, so dass die Zeit kurzweilig ist.










































Das Dilemma mit der dünnen Luft und der Weiterreise
Unser ursprüngliche Plan lautet nach Besuch der Atacama über den etwa 4.400 m hohen Jama-Pass per Überlandbus nach Nordargentinien weiterzufahren. Doch kommen Zweifel auf. Wir merken körperlich bereits die Höhe von 2.400 m. Wie wird es uns erst 2.000 m höher ergehen, wo die Luft um 40 Prozent dünner ist als auf Meereshöhe? Die Alternative klingt auch nicht wie eine gute Alternative: Mit dem Flieger ins 1.200 km entfernte Santiago, dann in einer achtstündigen Busfahrt nach Mendoza und von dort erneut per Flugzeug in das 1.000 Kilometer nördlich liegende Salta. Die Kosten wollen wir erst gar nicht erwähnen. Wir wägen ab und kommen zum Entschluss am nächsten Tag zu dem auf 4.310 m Höhe liegenden Salzpfanne "Salar de Tara“ zu fahren.

Stetig steigt die Straße am Südrand, des 5920 m hohen Vulkans Licancabur, an. Bald sind wir auf über 4.000 m Höhe. Kontinuierlich lutschen wir Coca-Bonbons und trinken reichlich Wasser. Die unwirklich wirkende Landschaft, die Weite und die hier vorkommende Tierwelt imponieren. Wir halten an einem kleine See. Vicuñas, eine kleine Wildart der Lamas, äsen am Ufer und Flamingos suchen im Wasser nach kleinen Krebsen. Langsam bewegen wir uns, doch es geht uns körperlich gut. Weiter düsen wir über einen weiteren Pass zur Salar de Tala. Auf dieser Hochebene sehen wir am späten Mittag auf der Gegenfahrbahn einen Radfahrer. Bis zum nächsten Ort San Pedro de Atacama sind es noch 120 Kilometer. Welch Tortour denken wir. Wir besuchen noch eine weitere Salzpfanne und drehen dann um. Als wir den Radfahrer einholen, halten wir an und fragen ihn, ob er Wasser haben will. Dankend nimmt er an. Er ist von Brasilien bis hier gefahren, erzählt er uns, während er die Wasserflasche in seinem Gepäck verstaut. Auf der Rückfahrt steht eine Herde Lamas seitlich am Straßenrand und einzelne blockieren die Straße. Nach der insgesamt positiven Erfahrung am heutigen Testtag kaufen wir die Bustickets für die Fahrt über den Jama-Pass.




















Wir merken die Höhe auch weiterhin. Eine Nacht schlafen wir gut, die nächste wieder schlechter. Unglücklicherweise findet auf einem Fussballplatz ein Jahrmarkt mit ein paar Fahrgeschäften statt. Der Bolzplatz liegt 250m von unserer Unterkunft entfernt und jeden Abend hören wir ab 21 Uhr bis 0.30 Uhr die gleiche Musik und das Gekreische der Fahrgäste, wenn sie umher geschleudert werden.
Am dritten Tag in San Pedro besuchen wir die Oase Toconao. Ein kleiner Fluss fließt durch den Ort und oberhalb vom Ort liegt eine grüne Welt im engen Tal. Feigen, Pfirsiche und Weintrauben wachsen am schmalen Flussufer. Was für eine Augenweide in dieser kargen Welt. In kleine Höhlen, die früher von Inkas bewohnt wurden, werfen wir einen Blick hinein.
Anschließend fahren wir 30 Kilometer durch die weiße Salzwüste der „Salar de Atacama“ zu einem Salzsee, wo wir zahlreiche Flamingos zu Gesicht bekommen. Auf dem Rückweg sehen wir am Berghang die Zentrale von ALMA. ALMA ist ein riesiges international betriebenes Radioteleskop-Observatorium, das aus 66 mobilen Parabolantennen mit zwölf Metern Durchmesser besteht, die in einem Umkreis von 16 Kilometer auf einer 5.000m Hochebene verteilt sind und alle miteinander verknüpft sind. Durch die dünne und zugleich sehr trockene Luft können Radiowellen sehr leicht durchdringen. Für die Forschung ein sehr wichtiger Vorteil.
Am Abend besuchen wir noch das ebenfalls nah bei San Pedro de Atacama liegende Valle de Marte - das Tal des Todes. Manche nennen es auch Marstal, da es rote Felsen hat. Von einem anderen Aussichtpunkt betrachten wir den Sonnenuntergang über dem Valle de Luna. Unser letzter Tag in der Atacama hat mehr organisatorische Aspekte. Wir ziehen für eine Nacht in ein Hostel, da wir in unserer Unterkunft nicht verlängern konnten. Der angenehme Vorteil ist, dass uns nachts nicht mehr der Jahrmarkt beschallt. Da es in San Pedro de Atacama keine Autovermietung gibt, bringen wir den Wagen zurück zum 120 Kilometer entfernten Calama und nehmen von dort einen Minibus wieder zurück nach San Pedro de Atacama. Rucksäcke packen und Wecker stellen, denn morgen um 7.30 Uhr startet unser Bus nach Argentinien.






















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