
#29 Pura Vida - welcome to Costa Rica
Von Argentinien geht es über Lima über den Äquator ins grüne Costa Rica. Die Nordhalbkugel hat uns vorerst wieder.
COSTA RICA
01.02.2026
2/1/20269 min read
San José - Eingangstor nach Costa Rica
Nach einem Zwischenstopp von sechs Stunden in Lima erreichen wir den Flughafen der Hauptstadt Costa Ricas. 80 Minuten stehen wir in der langen Schlange vor dem Immigration office. Eine kurze Diskussion mit der Beamtin, die unsere Unterkunft für die erste Nacht nicht kennt. Wenigstens können wir unsere Weiterflugtickets vorzeigen. Ohne dieses hätten wir gar nicht einreisen können. Zügig erreichen wir unsere Unterkunft. Der Sohn der Inhaberin empfängt uns. Er fragt, von wo wir anreisen und wir nennen Argentinien. Salta kennt er auch und dann erfahren wir, dass er in der Schweiz mal in eine junge Dame verliebt war und dass er in der Bretagne zum Schüleraustausch war. Und schon reden wir über die Bretagne. Zufällig lesen Ruth und gerade einen Krimi, der in der Bretagne spielt. Seine Mutter kommt dazu und sie empfehlen uns ein Restaurant. Karibisches Essen; Kokosmilch als Grundlage, aber anders als in Asien gewürzt. Sehr delikat.
Uvita - Auf der Suche nach Buckelwalen
In vier Stunden fahren wir nach Uvita, berühmt für seinen Strand, der bei Ebbe wie die Schwanzflosse eines Wals aussieht. Da wir keine Drohne haben, können wir keine Luftaufnahme davon machen. Es ist über 30 Grad. Wir genießen die Sonnenuntergänge am Strand. Der Pool und einen nahen, schönen Wasserfall mit Becken besuchen wir und die Abkühlungen sind mehr als angenehm. Costa Rica wird die Schweiz Mittelamerikas genannt. Zum einen wegen der Berge und der Sicherheit, zum anderen wegen des Preisniveaus und das ist nicht ohne. Das Berliner Pärchen, mit dem wir im Überlandbus von Chile nach Argentinien gefahren sind, erwähnten, dass ihre Reise in Chile teurer als geplant ist. Er fasste dieses in der Aussage, „die Kreditkarte glüht“ zusammen. Ich mutmaße, dass er zu den Reisekosten in Costa Rica sagen würde „die Kreditkarte befindet sich im Übergang vom festen in den gasförmigen Aggregatzustand.“








Paradies für Wale und Delfine
Die Gewässer um Uvita gehören zum Meerespark „Parque Nacional Marino Ballena“. Hauptattraktion sind die Buckelwale. Vor der Küste Uvitas paaren sich die Buckelwale und hier kommen die Jungen zur Welt und werden von den Walkühen gesäugt. An Australiens West- und Ostküste gibt es Gewässer, wo ebenfalls die Buckelwale ihre Jungen zur Welt bringen und für ca. drei Monate vor Ort bleiben, bevor sie in ihre Sommerreviere der Antarktis weiterziehen. Das Besondere in Costa Rica ist, dass es nicht eine sondern zwei Walsaisons gibt. Zum einen kommen im Zeitraum Dezember bis Februar die Buckelwale der nördlichen Hemisphäre hier her, die im Sommer in arktischen Gewässern zu finden sind. Während die Wale der südlichen Hemisphäre, die im antarktischen Sommer (also Dezember bis Februar) sich in den dortigen Gewässern ihren Wamps mit Krill vollhauen und ihre Speckreserven auffüllen, im Juli bis September zur Paarung und zum Gebären in den tropischen Gewässern Costa Ricas anzutreffen sind.

Die Chancen Buckelwale in Costa Rica zu sehen, sind in dieser Gegend am größten und so buchen wir mal wieder eine Waltour. Wir bekommen zunächst Delphine direkt am Boot zu sehen und auch ein paar einzelne Buckelwalmütter mit ihren Jungen. Springende Bullen hatten wir uns erhofft, doch heute scheint den Jungs nicht danach zu sein. Wenn ein Boot einen Wal entdeckt hat, jagen die anderen Boote zu diesem. Bis zu acht Boote inklusive unseres scharen sich dann um die Walmutter und ihr Junges. Ob das die Tiere stresst, fragen wir uns auch selbstkritisch. In Australien war bei unserer Waltour nur unser Boot unterwegs und der Abstand zu den Walen war größer als hier.

Anschließend schlendern wir den schönen von zwei Seiten vom Meer umschlungenen Walflossenstrand entlang. Wir entdecken vom Strand aus eine Horde Kapuzineräffchen, die durch den Palmwald, der auch zum Nationalpark gehört, toben. Im Strandwald stoppen wir abrupt, da eine Arbeitskolone von Blattschneideameisen fleißig und wohlgeordnet unseren Weg kreuzt. Nach so vielen netten Erlebnissen entern wir hungrig ein Soda (=einfaches Restaurant) und essen das Nationalgericht Casado zu Mittag. Dieses besteht aus Reis, Bohnen, Fleisch oder Fisch plus Kochbananen, Salat. Es variiert meist; so können auch Kartoffeln, Gemüse, Avocado oder Ei dazugehören.







Drake Bay - 45 Kilometer Sackgasse
Weiter ziehen wir in das abgelegene Dorf Drake Bay. Eine Sackgasse von 45 Kilometer führt dorthin. Die letzen 30 Kilometer bestehen aus rustikaler Schotterpiste mit reichlich Schlaglöchern. Bis vor kurzem konnte man den Ort nur mit drei Flussdurchfahrten erreichen. In den letzten drei Jahren wurden diese durch Brücken ersetzt. Wir benötigen eineinhalb Stunden für die 30 Kilometer-Schlussetappe.
Wir lernen Miriam, die nette Inhaberin unserer Unterkunft kennen. Ihre Unterkunft liegt an einem kleinen Fluss. Dann geht sie mit uns zu der kleinen Brücke, die zu ihrem Wohnhaus führt und zeigt uns das Krokodil, das ihren Flussabschnitt zu seinem Zuhause erkoren hat. Ein ca. ein Meter kleines Wesen liegt am schmalen Bachufer. Was denn passiert, wenn es weiter wächst, fragen wir. Irgendwann wird es dann Fluss abwärts schwimmen, um ein größeres Revier zu haben.


An der Rezeption entdecken wir zwischen diversen Zetteln eine Autogrammkarte mit Widmung für Miriam von Freya Hoffmeister. Für die nicht in der Kajakszene bewanderten unter den Lesern eine kurze Erläuterung zu Freya Hoffmeister. Freya kommt aus Husum, betreibt zwei Eisdielen und hat als erste Frau sowohl die Südinsel von Neuseeland als auch Australien und Südamerika im Kajak umrundet. Wir haben einmal einen Vortrag in unserem Kajakverein von ihr über ihre Umrundung von Südamerika gehört. Eine Extremsportlerin! Und wieso hängt eine kleines Bild von ihr an der Pinnwand, frage ich Miriam. Das hat ihr die Frau geschenkt, als diese vor ca. drei Jahren bei ihr übernachtet habe. Sie hatte ein riesiges Kayak und Miriam fand beachtlich, was alles in dieses hineinpasste. Miriam wusste nur, dass sie an der Küste bis Panama weiterpaddeln wollte, was sie schon eigentümlich fand. Als ich Miriam etwas mehr über Freya erzähle, schaut sie uns mit großen Augen an. Das habe sie nicht gewusst. Whow! Die Kajakwelt ist klein, zufällig übernachten wir in der gleichen Unterkunft wie Freya vor drei Jahren.


Fasziniert bin ich vom Supermarkt in diesem Ort. Er wirkt improvisiert, doch hat er alles was die Menschen hier so brauchen. Ausreichend Getränke, Chips, Süßes, Obst, Gemüse, Waschmittel, Motoröl, WC-Brillen, Nudeln und Fahrradersatzteile. Der hintere Teil sieht aus wie eine museale Ausstellungsfläche, in der die Kühltruhen verschiedener Hersteller der letzten vierzig Jahre platziert wurden. Schiffszubehör, Werkzeug und Mascheten hängen an einer Wand und gegenüber steht ein Regel, dass eine riesige Auswahl von Trinkgefäßen offeriert, die die eines schwedischen Möbelkaufhaus übertrifft.























Nationalpark Corcovado
Von Drake Bay, benannt nach dem englischen Seefahrer Sir Francis Drake, der den Hafen im 16. Jahrhundert als eine Basis nutzte, besteht die Möglichkeit den Corcovado National Park zu erkunden. Darum sind wir hierher gefahren.
Der Nationalpark Corcovado liegt abgeschieden im Süden Costa Ricas auf der Osa-Halbinsel und war bis in die 1960er Jahre unberührt. 1975 wurde er zum Nationalpark erklärt. Er hat eine der höchsten Artenvielfalt in Flora und Fauna weltweit. Mehr als 500 verschiedene Baumarten, über 350 verschiedene Vogel und um die 120 Säugetierarten beherbergt er. Hinzukommen noch Reptilien, Amphibien und über 6.000 Insektenarten. Es gibt keine Straßen. Nur zu Fuß oder mit dem Boot ist er zu erreichen. Ohne Guide ist der Zutritt nicht erlaubt.
Wir haben die Tour am Donnerstag gebucht. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag werden wir um 0.30 Uhr von Regen geweckt, der ein paar Stunden anhält. Das kann ein matschiger Tag werden, denke ich. Um 5.00 Uhr klingelt der Wecker, ein schnelles kleines Frühstück und im Regen gehen wir zum Strand, wo wir um 6.00 Uhr unseren Guide Roy treffen. Eigentlich hatten wir auf einen romantischen Sonnenaufgang als Kick-off gehofft. Roy sagt, er mag das Wetter und ist froh, dass wir so eine kleine Gruppe von sechs Personen nur sind: Luisa und Fabio aus Uruguay sowie Dan und Bratt aus Großbritannien. Eine sehr nette Truppe. Zum Nationalpark müssen wir eineinhalb Stunden mit dem Boot fahren. Folglich heißt es: Schuhe aus, Hose hochkrempeln und in alter Kneipmanier vom Strand zum Boot watscheln.


Zügig flitzt das Boot über die Meeresoberfläche. Regen peitscht uns ins Gesicht und wir ziehen die Kapuzen tief über den Kopf. Nach einer Viertelstunde nimmt der Kapitän überraschend das Gas weg und ändert den Kurs. Eine Walmutter mit Kalb hat er entdeckt. Die Mutter liegt unter der Oberfläche und das Junge schwimmt langsam Runden um seine Mutter. Wir sind insgesamt vier Boote und uns beeindruckt im Unterschied zu unseren Waltrip in Uvita, das alle die Motoren abstellen und wir zehn Minuten warten bis Mutter und Jungtier wieder auftauchen. So belästigt kein Motorenlärm die Tiere. Gute zwanzig Minuten später geht unser Ritt über die Wellen weiter. Immer mal wieder hebt sich das Boot mit dem Bug ein wenig aus dem Wasser und landet dann deftig auf der Wasseroberfläche. Eine nicht gerade Rückenfreundliche Fortbewegungsmethode. Ruth schaut mich an und meint, dass sie mit 70 sowas nicht mehr mitmachen werde. Dann hast du ja noch zwanzig Jahre Zeit für so etwas, erwidere ich.

Wir erreichen den Nationalpark. Wieder dürfen wir durchs Wasser watscheln. Die Ranger inspizieren unsere Rucksäcke. Essen, Einweg-Plastikflaschen, Messer und Feuerzeuge sind zum Schutz der Umwelt im Nationalpark verboten.
Roy entdeckt sofort die Spider-Monkeys, die sich mit ihrem kräftigen Schwanz an den Bäumen festhalten. Kurze Zeit später entdeckt er die kleinste Affenart Costa Ricas, die Mittelamerikanischen Totenkopfaffen. Putzige Tiere, die über uns mit beachtlichen Sprüngen von einem Baum zum anderen wechseln. Wir sehen verschiedene bunte Vögel. Roy hat ein Teleskop mit. Dadurch können wir die Tiere ganz genau sehen. Selbst wenn ein Vogel weit oben oder entfernt in einem Baum sitzt, können wir jede einzelne Feder sehen. Wir wandern durch den Regenwald und auch am Strand entlang. An Flussufern gilt es zur eigenen Sicherheit nach Krokodilen Ausschau zu halten. Einen Fischadler, der einen Fisch auf einem Baum verzerrt, entdeckt Roy. Auch ein Faultier bekommen wir zu sehen. Leider hat es sich zu einer Kugel zusammengerollt. Bei dem Wetter nachvollziehbar.


































Eine Horde von Nasenbären kreuzt unseren Weg. Alle strecken ihre Schwänze senkrecht in die Höhe und man sieht diese durch Buschwerk umherflitzen. Irgendwie erinnert es an die Stromabnehmer von Autoscootern auf dem Jahrmarkt. Mitten im Wald treffen wir plötzlich auf zwei alte Flugzeugwracks. Bevor es Nationalpark wurde gab es eine kleine private Landepiste aus Gras. Ein Flugzeug wurde hier zurückgelassen und das andere verunglückte bei einer Landung und verlor einen Flügel. Glücklicherweise haben alle Insassen überlebt, erwähnt Roy. In der Rangerstation, die an dem alten Flugfeld liegt, bekommen wir und die anderen bis zu 250 Tagesgäste ein Mittagessen, bevor wir weiter den Regenwald erkunden. Die Temperaturen sind angenehm. Wenn die Sonne geschienen hätte, wäre der Tag laut Roy einiges heißer und schwüler gewesen. So ein bewölkter Tag mit Nieselregen bietet also auch Vorteile. Tapire hätten wir gerne noch gesehen, doch heute haben sie sich versteckt. Der Ausflug hat uns sehr gefallen. Zurück geht es erneut per orthopädisch unvorteilhafter Schnellbootfahrt. Eine Dusche und trockene Kleidung bilden die weiteren Highlights des Tages.







Von Drake Bay nehmen wir die bekannte Strecke und fahren wieder nach Uvita. Dieses Mal hat Ruth uns eine tolle Unterkunft oberhalb des Ortes im Dschungel ausgesucht. Die Unterkunft ist bis auf die Zimmer, die durch Bambus, dünne Wände oder Baumwolltüchern abgeteilt sind, offen gehalten. Vor über fünfundzwanzig Jahren hat ein Ingenieur aus Dresden diese Unterkunft entworfen. 2010 verliebte sich ein Berliner Pärchen in das Holzhaus und übernahm es.
Vom oberen Deck schauen wir direkt wie durch ein Fenster zwischen den Bäumen hindurch auf das weiter entfernt liegende Meer, während Zikaden tagsüber einen Soundteppich um die Unterkunft legen. Nachts übernehmen einzelne Frösche das Zepter. Eine sehr entspannte Atmosphäre bringt uns dazu den ganzen Tag in bequemen Holzsesseln durch dieses Bio-Fenster zu schauen und ein wenig vor uns hin zu philosophieren.








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