
#31 Granada - Nicaragua
Von Liberia geht es mit dem Tica-Bus über die Grenze nach Granada, der alten Kolonialstadt in Nicaragua. Eine zeitintensive Reise mit einer netten Begegnung an der Grenze.
NICARAGUA
12.02.2026
2/12/20267 min read
Aufbruch nach Nicaragua
It’s a long, long, long way to Granada
Heute liegen 180 Kilometer Busfahrt von Liberia nach Granada vor uns. Online haben wir einen Bus gebucht, mit dem wir ohne Umsteigen von Costa Rica nach Granada in Nicaragua fahren. Um 9.30 Uhr soll der Bus, der morgens um 6.00 Uhr in der Hauptstadt San José startet, hier abfahren und in fünfeinhalb Stunden sollen wir in Granada sein. Die Bushaltestelle liegt außerhalb des Ortes an der Fernstraße. Laut der Onlineseite der Busgesellschaft sollen wir eine Dreiviertelstunde vor Abfahrt an der Haltestelle sein. Als wir ankommen, sind schon ein paar Einheimische dort. Mit 1,5 Stunden Verspätung trifft unser Bus ein. Ungefähr neunzig Minuten später sind wir an der Grenze. Wir steigen am costa-ricanischen Zoll aus und nach einer Stunde sitzen wir wieder im Bus, um zum wenige hundert Meter entfernt liegenden nicaraguanischen Zollgebäude zu fahren. Dort stehen wir in brennender Sonne sage und schreibe 2,5 Stunden in einer langen Schlange. Glücklicherweise stehen wir mit Ciulian aus Adelaide zusammen. Sie studiert Psychologie, will ihren Master in Leipzig machen. Nebenbei erfahren wir, dass sie drei Staatsbürgerschaften (australische, britische und irische) hat, da ihre Mutter aus Belfast stammt. Wir tauschen uns über Kulturen und Länder aus und dank diesem netten und informativen Talk werden die zweieinhalb Stunden nicht langweilig. Statt wie ursprünglich geplant in 5,5 Stunden, erreichen wir nach zehn Stunden Reisezeit um 19.00 Uhr unser Hostel in Granada, da kann selbst die deutsche Bahn nicht mithalten.
So ist halt reisen in Mittelamerika und wir hatten sogar noch Glück, wie wir zwei Tage später erfahren, als zwei andere Traveller uns erzählen, dass sie am Tag vor unserer Grenzübertritt sechs Stunden an der costa-ricanischen Grenze standen, da das Computersystem ausgefallen war und die Grenzbeamten alle Informationen zu jeder Person, die die Grenze passieren wollte, telefonisch in der Hauptstadt abfragen mussten.






Unser Hostel in Granada hat koloniales Flair. Nicht nur unser Zimmer hat viele antike Möbel und Bilder. Es wirkt als ob es Modell für den Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez stand. Insbesondere das Bett scheint aus dieser Zeit zu stammen, da wir einzelne Federn der sehr weichen zur Mitte abfallenden Matratze spüren können. Aber irgendwann schlafen wir dann doch ein.






Die Sonne scheint am Morgen und wir durchstreifen das verkehrsarme Zentrum. Die gelb gestrichene Kathedrale liegt am zentralen, entspannten Platz „Plaza Mayor de Granada“. Einheimische klönen im Schatten oder spielen Mühle an steinernen Tischen. Auch sehen wir einen Gitarrenlehrer der einer Frau Unterricht gibt, Kinder spielen. Irgendwie scheint dies Treffpunkt der Stadt zu sein. Viele Kolonialbauten zieren die Innenstadt. Granada gilt als eine der schönsten, wenn nicht sogar die schönste Kolonialstadt Zentralamerikas. Seit Ewigkeiten streiten Granada und León darüber, welche die älteste Stadt Nicaraguas ist. Beide wurden 1524 von den spanischen Eroberern gegründet. Das ursprüngliche León wurde 1609 durch den Ausbruch des Momotombo zerstört und wurde dreißig Kilometer entfernt neu aufgebaut. Beide Städte waren auch zu unterschiedlichen Zeiten Hauptstadt Nicaraguas. Um den ewigen Streit zu beenden wurde 1858 entschieden das kleine Dorf Managua, das zwischen beiden Städten liegt, zur Hauptstadt zu ernennen. Inzwischen wohnen über eine Millionen Personen dort.














Weiter ziehen wir an den bunten Häusern vorbei zum Anleger am Lago Cocibolca (Nicaraguasee), der 15 mal so groß wie der Bodensee ist. Der alte Pier stammt noch aus der Epoche bevor die Schifffahrt durch die Lastkraftwagen ersetzt wurde. Hier wirkt alles etwas aus der Zeit gefallen. Nach der Siesta besuchen wir spätnachmittags die Kirche „Parroquia de Nuestra Señora de la Merced“, deren Glockenturm wir über einen sehr enge Wendeltreppe erklimmen und von dort genießen wir einen schönen Rundblick über Granada. Je nach Himmelsrichtung wird eine andere Aussicht angeboten. Nach Osten schweift der Blick über die Stadt mit Kathedrale bis zum Nicaraguasee. Im Süden erhebt sich der Mombacho-Vulkan. Weitere Stadtviertel erblicken wir im Westen und Norden. Um fünf Uhr kommt ein junger Mann und gibt uns non verbal zu verstehen, uns die Ohren zuzuhalten. Und dann legt er los. Er zieht kräftig an zwei Seilen und schlägt die nicht einmal zwei Meter von uns entfernt hängenden zwei Glocken. Whow - good vibration.






























Auf dem Markt zeigt sich die andere Seite der Stadt
Am nächsten Morgen bekommen wir ein anderes Gesicht von Granada zu sehen: Nicht weit vom ruhigen Zentralplatz entfernt liegt der zentrale Markt. Wie so oft fasziniert uns das geschäftige Treiben. Kleidung, Lebensmittel, Smartphones, Gewürze, Schuhe werden an Ständen innerhalb und außerhalb der Markthalle verkauft. Ein Schneider näht hochkonzentriert mit einer alten Nähmaschine am Straßenrand und repariert einen Sportschuh, während der Fahrzeugstrom eineinhalb Meter entfernt an ihm vorbeischleicht. Ein paar Schritte entfernt repariert ein Uhrmacher feilend eine Uhr. Ruth dürstet es nach einer kühlen Limonade, mein Koffeinspiegel ruft nach Cappucino und so entern wir ein Café. Der Cappuccino schmeckt, als ob wir in Italien weilen.





















Der Vulkan Masaya
Nach dieser Stärkung und einer kleinen Siesta fahren wir am Nachmittag zum Volcano Masaya, in dessen Krater man glühende Lava sehen kann. Unser Guide führt uns zu einem Infocenter, wo er uns über die verschiedenen Vulkane und deren Aktivitäten informiert. Anschließend wandern wir in 25 Minuten auf einen kleinen Vulkan und lassen unsere Augen 360 Grad über die Umgebung schweifen. Spannend sind hier kleinere Mulden in der Erde, aus denen es qualmt und die Erde ist echt warm.













Wir kommen dabei mit Gil und Julius über Reisen und Kultur ins Gespräch. Zwischen Bachelor und Master sind sie ein halbes Jahr durch Asien gereist. Thailand finden sie touristisch zu überlaufen, Kambodscha mit seiner Geschichte spannend. Die Philippinen und Südkorea gefielen ihnen sehr. So erzählt Gil, dass viele junge Menschen in Südkorea Hunde einkleiden und diese auch in einer Art Kinderwagen durch die Straßen schieben. Hintergrund sei, dass viele sich zwar Kinder wünschen, aber sich diese nicht leisten können. Was für eine skurrile gesellschaftliche Situation.
Als wir erzählen, dass wir wegen der us-amerikanischen politischen Entwicklungen uns entschieden hatten, über Chile statt über einen Flughafen der USA nach Costa Rica zu reisen, meint Julius, dass sei eine sehr weise Entscheidung gewesen. Sie selber sind über Miami gereist. Für den Transfer innerhalb des Flughafens zum Anschlussflug brauchten sie ein Visa und die Befragung bei Ankunft in Miami fühlte sich wie ein Verhör an. Keine angenehme Situation sei das gewesen.
Gil und Julius kommen beide aus Lübeck und studieren nun in Kopenhagen. Dort gefällt es ihnen so gut, dass sie dort bleiben wollen. Gil fällt immer wieder auf, wenn sie von Dänemark zu ihren Eltern fährt, wie negativ die Stimmung in Deutschland sei. Es wird genörgelt und geklagt, dabei geht es uns doch generell so gut, meint sie. Da seien die Dänen freundlicher, besser gelaunt und auch sozialer. Sicherlich, auch wir finden einige politische Dinge in Deutschland verbesserungswürdig, doch wir gehören zu den privilegierten zehn Prozent der Weltbevölkerung mit gutem Trinkwasser, ausreichend Essen, medizinische Versorgung, soziale Absicherung (auch wenn ein paar Personen aus dem politischen Spektrum mal wieder diese absenken wollen), in der Regel einen soliden Lebensstandard, Müllabfuhr und Rechtssicherheit nehmen wir wie selbstverständlich hin. Doch in vielen Ländern sind diese Standards leider keine Selbstverständlichkeiten - wie wir auch seit unserem Aufbruch im September immer mal wieder wahrnehmen. Das wird in unserem Kulturkreis oft übersehen. Ein spannender Erfahrungs- und Gedankenaustausch mit den beiden, den wir gerne fortsetzen würden (doof nur, wenn man die Kontaktdaten nicht austauscht). Ferner berichtet Julius, dass er gerade eine App für Menschen mit Autismusspektrumsstörung entwickelt. Dies wirft Ruth wieder in ihr Arbeitsvokabular und Wissen, das wohl doch noch nicht ganz vergraben ist. Diese kleinen Begegnung machen das Reisen so lebendig und fördern das Reflektieren über die eigenen Gedanken und Werte.
Mit dem Bus geht es zum Kraterrand. Im Dunkeln sehen wir den von der Lava orange-rot angestrahlten Dampf, der zeitweise scharf in Lungen und Augen beißt. Leider ist die glühende Lavamasse nicht mehr direkt zu sehen, da es vor einiger Zeit einen Erdrutsch gab. Daher sind wir ein klein wenig enttäuscht, dennoch war es ein interessanter und schöner Ausflug.














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