#33 Ometepe - Die Insel mit zwei Bergen

Wir lassen die Städte hinter uns und setzen mit einem Seelenverkäufer über den Nicaraguasee zur Vulkaninsel Ometepe über.

NICARAGUA

24.02.2026

2/24/20267 min read

🎼Eine Insel mit zwei Bergen ♫♫ - Ometepe, das nicaraguanische Lummerland

Die weltgrößte vulkanische Insel in einem Süßwassersee

Jim Knopf lebt bekanntermaßen auf einer Insel mit zwei Bergen und wir wollen auch mal eine solche Insel kennenlernen. Zwei Vulkane haben Ometepe gebildet. Zum einen der 1.394 m hohe Madras und zum anderen der 1.610 m hohe Concepción. Letzterer gilt als einer der aktivsten Vulkane Nicaraguas und brach zuletzt 2010 aus. Irgendwann haben die Lavaströme der beiden Vulkane sich getroffen und so wurden aus zwei einzelnen Eiländern eine Insel mit zwei Bergen.

Mit dem Shuttle reisen wir in eineinhalb Stunden von Granada zum Hafenörtchen San Jorge. Vorher beim Beladen des Busses zucken alle Fahrgäste kurz, als der Fahrer den ersten Koffer aufs Busdach wirft, wo sein Kollege diesen souverän auffängt. Auch alle weiteren Koffer und Rucksäcke fliegen vom Bürgersteig mit einer Leichtigkeit nach oben als ob es sich um Basketbälle handeln würde. Unser Fahrer braucht kein Fitnessstudio.

Eine Seefahrt die ist....

Im Hafen von San Jorge entern wir eine alte, kleine Fähre. Zwei Kleinlaster und ein Auto werden mit Holzkeilen unter den Reifen und dicken Bändern um die Räder fixiert. Davor ist der kleine Fahrgastraum. Die Heckklappe bleibt heruntergelassen und bei 5 bis 6 Windstärken mit seitlichen Wellen geht es in 70 Minuten über den See. Einigen Fahrgästen bekommt das Geschaukel nicht so gut und auch, wenn das Schiff keinen vertrauenserweckenden Eindruck hinterlässt, geben wir uns mal wieder dem Prinzip „Zuversicht“ hin. Schließlich verkehrt das Gefährt seit Jahrzehnten täglich mehrfach zwischen Insel und Festland.

Mit Wendy und Dash aus Holland, die wir in unserem Hostel in Granada beim Frühstück kennengelernt haben, hatten wir verabredet, dass wir uns auf Ometepe ein Taxi teilen. Wendy spricht fließend spanisch, da ihre Mutter aus Peru stammt. So handelt sie mit dem Taxifahrer einen fairen Preis aus. Beide Vulkane werden jeweils von einer Straße umrundet und in der Mitte gibt es eine Verbindungsstraße zwischen den beiden Ringen. Das Verkehrsgeschehen ist überschaubar und gemütlich. Einige Autos, diverse Motorroller, ein paar Pferde und einige Kuhherden teilen sich die Straße. Für die 28 km vom Hafen zu unserer Unterkunft benötigen wir eine Stunde.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, erkunden wir das kleine an der Straße langgezogene Örtchen. Mir dürstet nach Cappuccino und wieder mal besuchen wir ein nettes Café. Auf halber Strecke entdecken wir eine Horde Brüllaffen in den Bäumen. Das Café backt auch selber und so erwerben wir begeistert ein leckeres Sauerteigbrot. Denn bisher gab es in Nicaragua nur Toast oder Baguette, das scheinbar mehr Luft als Mehl enthielt und beim Reinbeißen staubt.

Wir mieten uns für zwei Tage einen Motorroller, dessen Bremsen besser sind als alle Gefährte, die wir in Indonesien gefahren sind. Die Vermietung wird von einer Familie betrieben. Während wir mit der Besitzerin uns über Zeitraum und Preis versuchen zu verständigen, putzt die Oma die vordere Scheibenbremse und macht die Rückspiegel sauber. Irgendwie knuffig. Die Familie spricht nicht Englisch, wir so gut wie kein Spanisch, aber mit Händen, rudimentären Worten, viel gemeinsamen Lachen regeln wir alles.

Go West

Wir fahren auf die westliche Inselhälfte zum Naturschutzgebiet „Charco verde“; zu Deutsch „grüne Pfütze“. Ein kleiner Rundweg umschließt diesen kleinen See, der entgegen der Aussage in Reiseführern nicht smaragdgrün glänzt, sondern in leichten Brauntönen. Wieder treffen wir auf Brüllaffen und erfreuen uns insbesondere an einem Äffchen, das gerade in Muttis Nähe seine neue Welt erkundet. Weiter geht es zu einer Landzunge im Südwesten, auf der die Wellen wie im dänischen Skagen von zwei Seiten aufeinander treffen. Die dunkle Sandzunge sieht wie ein Walrücken aus. Lange schauen wir Fischern beim halbkreisförmigen Auslegen eines großen Netz im Halbkreis vom Ufer aus zu.

Zum Sonnenuntergang fahren wir zum kleinen Playa Mango. Von der Inselstraße biegen wir in den ca. zweihundert Meter lange Stichweg ein und am Ende des Weges kommt das große Aha-Erlebnis oder vielleicht passender formuliert Oha-Erlebnis. Dutzende von Quad als auch um die hundert Motorroller verteilen sich auf dem Parkplatz. Hier tummeln sich also all die Touristen. Der von Bäumen gesäumte Strand ist schmal. Viele Gäste schlürfen ein Getränk im Beachclub. Sechs lassen sich auf einer aufblasbaren Banane von einem Motorboot übers Wasser ziehen und fallen regelmäßig rein. Es gibt einen Steg und eine Badeplattform im See. Wir schauen uns den Sonnenuntergang noch an und verlassen dann zügig das Gewusel.

Eastside von Ometepe

Tagsdrauf umrunden wir den östlichen Vulkan auf der Ringstraße. Hier ist wenig los. Große Teile der Strecke fahren wir auf nicht gepflasterten Straßen. Schweine, Hunde, Pferde, Ziegen und Kühe teilen sich die Straße mit uns. Kinder grüßen uns und dann liegen plötzlich Baumstämme und Äste quer über den Weg. Ein Arbeitstrupp hat gerade zahlreiche Äste gekappt und auch einige Bäume gefällt, die der Stromleitung zu nahe gekommen sind. Mit seiner Machete schlägt ein Arbeiter uns und einem weiteren Motorradfahrer den Weg frei. Da der Vulkanboden sehr fruchtbar ist, säumen zahlreiche Bananenplantagen unseren Weg. Wir gönnen uns zwei Zwischenstopps am See und sind froh, dabei nicht auf eine Partymeile zu treffen.

Als wir morgens abreisen, kommen wir mit unseren griechischen Nachbarn ins Gespräch. Einer spricht gutes Deutsch, da er drei Jahre bei Hannover gelebt hat. Jetzt wohnt er wieder in Griechenland, aber er vermisste die vier deutschen Jahreszeiten. In Griechenland gibt es nur zwei: neun Monate Sommer und drei Monate Winter. Ihm gefällt auch, dass die Menschen in Deutschland es sich im Winter zuhause wie in einer Höhle gemütlich machen. In seiner jetzigen Heimat sitzen zwar alle immer draußen, aber aufgrund der fehlenden Abwechslung wirkt es monoton, meint er. So haben wir das auch noch nicht betrachtet. Eigentlich finden wir es doch toll, wenn man immer draußen sein kann. Alles hat scheinbar Sonnen- und Schattenseiten.

Wir wechseln unsere Unterkunft und ziehen für eine Nacht nach Moyogalpa. Von dort wollen wir am nächsten Tag früh eine Fähre nehmen, da uns die lange Rückreise nach Costa Rica bevorsteht. Für die 28 Kilometer nach Moyogalpa nehmen wir den lokalen Bus, den sogenannten Chickenbus. Wir stehen am Straßenrand, winken als der Bus erscheint. Ein alter ausgemusterter amerikanischer Schulbus, von denen viele den öffentlichen Nahverkehr in Nicaragua aufrechterhalten. Immer wieder hält er an, wenn jemand am Straßenrand winkt. Gemeinsam mit einheimischen Erwachsenen und einigen Schülern fahren wir neun Kilometer bis zur nächsten Kreuzung. Dort steigen wir aus und warten auf den Bus, der zum Fährhafen fährt. Zwanzig Minuten später kommt der und ist eigentlich schon rappelvoll. Unser Rucksack kommt aufs Busdach. Dieses Mal wird er nicht festgezurrt, wie wir es von unseren bisherigen Shuttlebussfahrten kennen. Hoffentlich wird er nicht durch eine Bodenwelle heruntergeschleudert, denken wir. Doch der Bus fährt mit so geringer Geschwindigkeit, das entsprechende Beschleunigungsmomente physikalisch ausgeschlossen sind. Immer wieder hält der Bus an, weil Menschen ein- und aussteigen wollen. In der letzten Reihe werden Zementsäcke transportiert, dann steigt jemand mit einer kompletten Bananenstaude ein, die zwischen die Zementsäcke gesteckt wird. Aus den Lautsprecher schallt nette Salsamusik und wahrlich es passt zu dieser Engtanzparty auf vier Rädern, wo alle stehende Gäste ihre Hüften eng aneinander reiben. Und der Eintritt beträgt lediglich 45 Cent für die fahrende Diskothek. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir unser Ziel. Mancher wird sich sicher fragen, warum wir nicht wie auf dem Hinweg ein Taxi für 20 Dollar nehmen. Doch mein Wunsch ist dieses Reisegefährt und diese Reiseform kennenzulernen. Ich will nicht nur gepampert im wohl temperierten Shuttlebus sondern auch mit dem Hauptreisegefährt Lateinamerikas, diesen reichlich in die Jahre gekommenen ehemaligen orangefarbenen amerikanischen Schulbussen, die an jeder Ecke anhalten, durchs Land reisen. Ruth lässt sich mir zu Liebe drauf ein. Lächelnd mit dezentem Kopfschütteln blickt sie mich immer wieder während der Fahrt an. Allein für diesen Blick hat sich das Unterfangen gelohnt.

Als wir nachmittags durch Moyogalpa schlendern, passieren wir eine Frau, die gerade ihren Garten wässert. Sie spricht uns an und meint, dass wir heute zusammen im selben Bus unterwegs gewesen sind. Offensichtlich sind wir beiden etwas älteren Westler eine kleine Attraktion im Bus gewesen.

Bemerkenswert finden wir auch, dass jeden Abend auf der Insel für zwanzig bis sechzig Minuten der Strom komplett ausfällt. Alles ist dunkel und vereinzelt springen Stromaggregate in den Orten an. Könnte man auch als eine Form der Entschleunigung in unserer schnelllebigen Welt betrachten.