
#35 Vom Regenwald zur Karibikküste
Von Monteverde geht es nun mit Zwischenstation in La Fortuna ans karibische Puerto Veijo, das uns feuchter als erwartet empfängt.
COSTA RICA
08.03.2026
3/7/20269 min read
Manchmal hat eine kleine Enttäuschung auch so ihre Vorteile
Nach zwei Tagen in unser Unterkunft mit sehr netten und hilfsbereiten Gastgebern fahren wir nach La Fortuna, das beim jüngsten und aktivsten Vulkan Costa Ricas liegt. Auf dem Weg wollen wir zum Rio Celeste. Einem Fluss, der mit milchblauen, surreal gefärbten Wasser durch den Urwald fließt und auch einen bemerkenswerten Wasserfall bildet. Als wir ankommen, erfahren wir, dass Tickets nur online erworben werden können. Leider gibt es keinen guten Handyempfang. Am Empfang gibt es WLAN, aber auch das funktioniert nicht verlässlich. Ein Angestellter des Parks bietet uns die Möglichkeit an einem PC die Tickets zu erwerben. Leider bricht auch hier diverse Male die Verbindung ab und wir können keine Eintrittskarten erwerben. Ein wenig enttäuscht fahren wir nach La Fortuna. Wir beziehen unsere Hütte und hören Brüllaffen in nicht weiter Ferne. Wir entdecken sie an der Hauptstraße, als wir zum Einkaufen fahren. Auf dem Rückweg machen wir Stopp und beobachten die Affen und versuchen Tukans, die zu hören sind, zu erspähen.


Als wir kurze Zeit danach in unserer Unterkunft ankommen, erhalte ich über Signal die Frage, ob wir gerade in Costa Rica sein und in La Fortuna am Straßenrand mit Kamera gestanden haben. Bei der Rücktour von einem Ausflug sind Tina und Frank mit einem Bus an uns vorbeigefahren und meinten, dass die zwei Personen so aussehen wie wir. Tina und Frank kennen wir aus dem Kajakverein (RdE) und flugs treffen wir uns in einem Restaurant. Wir verbringen einen netten Abend miteinander und stellen fest, dass wir in ein paar Tagen zur gleichen Zeit an der Karibikküste sein werden. Die Welt ist ein Dorf. Und wäre es uns gelungen, die Tickets für den Rio Celeste zu erwerben, hätten wir nicht am Straßenrand gestanden, als Tina und Frank vorbeifuhren.




Aufgrund von Wolken und etwas Regen haben wir am Tag unserer Ankunft nur die unteren Ausläufer des Arenal-Vulkans sehen können. Am nächsten Morgen ist die Wolkendecke aufgelockerter und wir haben einen kurzen Moment, in dem wir den Vulkan in seiner Gänze sehen. Des Weiteren beobachten wir an diesem Tag die Kolibris, die unsere Hütte umfliegen. Ihr hochfrequenter Flügelschlag fasziniert uns. Wir lesen nach und erfahren, dass Kolibris mit 40 bis 50 Flügelschlägen pro Sekunde (!) fliegen und die schnellste Kolibriart erreicht fast 100 km/h. Ihre Beschleunigung ist zehnmal so hoch wie die Erdbeschleunigung. So klein sie sind, sie sind Hochleistungssportler.





Von Hängebrücken den Regenwald entdecken.
Nachdem wir die Nebelwälder bei Santa Elena kennengelernt haben, besuchen wir nun die tiefer liegenden Regenwälder bei La Fortuna. Wir fahren zum Misticopark, in dem man auf einem Rundweg durch den Regenwald aber auch über Hängebrücken auf Höhe der Baumkronen wandeln kann. In den 2,5 Stunden begleiten unser Guide Roberto und Regen uns. Gleich nach dem Eingang zeigt Roberto uns eine kleine Terciopelo-Lanzenotter, die zusammengerollt auf braunen Laub eineinhalb Meter neben dem Weg liegt. So gut getarnt, dass wir dran vorbeigegangen werden, ohne sie wahrzunehmen. Diese Ottern gelten als aggressiv und können bis zu zwei Meter lang werden. Obwohl die Schlange mit ihren ca. 40 cm noch sehr klein ist, ist auch ihr Gift tödlich. Roberto erzählt uns, dass jährlich in Costa Rica 500 bis 600 Bissunfälle mit giftigen Schlangen gemeldet werden. Insbesondere in der Landwirtschaft und Bananenplantagen kommt es zu Bissen, doch diese sind aufgrund der guten medizinischen Versorgung im Land nur selten tödlich. Nach Indien und Australien ist Costa Rica der nächst größte Hersteller von Antiseren gegen Schlangenbisse. Als nächstes stehen wir vor einem großen Insektenhotel. Davor fliegen kleine Insekten, die wie Mücken aussehen und auch so fliegen. Doch Roberto baut sein Teleskop auf und wir schauen hindurch und sind perplex. Es sind Bienen, die kleinsten Bienen der Welt. Anschließend toben ein paar Klammeraffen und Brüllaffen über uns in den Baumwipfeln. Die Vielfalt der Vegetation ist ebenso wie im Nebelwald riesig. Insbesondere beeindruckt uns von den Hängebrücken von oben und auf Kronenhöhe die Baumwelt zu sehen. Auf einem Blatt drei Meter unterhalb des Weges zeigt uns Roberto nun eine grün-braune Greifschwanz-Lanzenotter, die ebenso gut getarnt wie die Schlange am Eingang ist, und auch in Sachen tödlicher Giftigkeit ihrem Vetter am Parkeingang in nichts nachsteht. Dann sehen wir noch einen Pfeilgiftfrosch, der nur so groß wie die Daumenkuppe ist. Seine Haut ist giftig, so hält er sich die Feinde vom „Fell“. Im Englischen wird er wegen seiner blauen Beinen auch Blue Jeans Frog genannt. Ein sehr passender Name.





























Sieht so eine Bananenrepublik aus?
Weiter geht es in Richtung Puerto Viejo an der Karibikküste. Wir passieren Ananasfelder und große Bananenplantagen. Als wir uns der Hafenstadt Puerto Limon nähern, nimmt die Dichte von Trucks immens zu. Den Wegesrand säumen Massen von gestapelten Kühlcontainern mit den Aufschriften zweier namhafter Bananenhändler. Costa Rica gehört zu den Top 10 der Bananenexporteure, was wir angesichts der fast endlosen Aneinanderreihung von Containern nicht bezweifeln.
Da wir sowohl den Dschungel als auch den Strand erleben wollen, haben wir in Puerto Viejo zwei Unterkünfte für jeweils zwei Tage gebucht. Ein wenig sind wir bisher enttäuscht, dass wir erst ein Faultier in Costa Rica gesehen haben. Dieses saß zudem noch hoch oben im Baum und hatte sich zusammengerollt. Wir hoffen an der Karibikküste mehr Erfolg zu haben und beziehen unser Zimmer in der Lodge, die von Irene und Wolfgang seit über zwanzig Jahren betrieben wird. Beide waren in der Entwicklungshilfe in Burkina Faso und anderen Orten aktiv und wollten anschließend in Lateinamerika leben. Sie reisten durch die Länder und Costa Rica sagte ihnen am meisten zu. Als wir ankommen, zeigt uns Irene ein Faultier, dass im Baum schläft. Abends zeigt sie uns zwei Rotaugenfrösche. Sie erkennt die Tiere an ihren Lauten und folgt diesen. Neben ihrem Hund Luise haben sie noch zwei Gänse, die das Grundstück bewachen und das tun sie lauthals, wenn jemand kommt.






Regen an der karibischen Küste
Karibik - damit assoziieren wir türkisfarbendes Wasser, Traumstrände, niemals endender Sunshine, Reggae und ein cooler Vibe. Eigentlich ist der Februar der trockenste Monat an der Karibik, doch seit drei Wochen regnet es ungewöhnlich viel, erwähnt Irene. Auch uns erwischt der Regen und daher besuchen wir anstatt des Strandes das Jaguar Rescue Center. Zwei Biologen aus Italien und Spanien haben dieses im Jahre 2008 gegründet, als Einwohner ihnen verletzte Tiere brachten. Ale, der hier ehrenamtlich aushilft, führt uns herum. Es gibt ein Krankenhaus und eine Auswilderungsstation. Diese dürfen die Touristen nicht sehen, damit die Tiere sich nicht an Menschen gewöhnen. Einige Tiere, die nicht ausgewildert werden können, dürfen wir sehen. Dazu gehören flugunfähige Aras, Affen, die illegal in Haushalten gehalten wurden oder verwaiste Tiere. Die Organisation trägt sich ausschließlich auf Spendenbasis. Staatliche Behörden bringen immer wieder verletzte oder verwaiste Tiere vorbei, aber beteiligen wollen sie sich nicht.





Faultiere und Stromleitungen
Wir erfahren, dass Faultiere beim Queren von Straßen angefahren werden. Vor allem aber verletzten sie sich, wenn sie die Stromleitungen nutzen, um von einer auf die andere Straßenseite zu gelangen. Dabei bekommen einige einen Stromschlag und werden dann im Rescue-Center behandelt. Da Stromkonzerne nur günstiges Stromkabel ohne Isolierung verbauen, kauft das Rescue-Center isolierte Stromkabel und übergibt diese den Stromkonzernen. Kaum haben wir das Center verlassen, sehen wir ein Faultier die Straße auf einer Stromleitung queren. Fasziniert und besorgt folgen wir dem putzigen Kerlchen. Alles geht gut.



Video: Faultier auf Stromleitung
Cahuita Nationalpark
Am nächsten Tag besuchen wir den kleinen Cahuita Nationalpark, der direkt am Meer liegt. Ein Teil der Wege und des Strandes ist gesperrt, da vor Kurzem ein Sturm große Schäden angerichtet hat. Wir nehmen den östlichen Eingang und gehen auf einem Bohlenweg. Wir entdecken Waschbären und an einer Stelle sitzt eine kleine weißliche zusammengerollte Schlange auf einer Baumwurzel. Vom Geländer will ich ein Foto von dem in zwei Meter Entfernung liegenden Tier machen, doch ein zufällig anwesender Rancher gibt mir deutlich zu verstehen, nicht so nah zu gehen, da diese Schlange springen kann und giftig ist. Danke, Mister Rancher, denke und sage ich. Am Strand toben Kapuziner- und Brüllaffen durch die Bäume. Auf dem Rückweg sehen wir noch eine fingerdicke grüne Schlange, die auf dem Geländer sich entlang schlängelt. Der Bohlenweg sieht eigentlich ganz entspannt und harmlos aus, doch das Spannende befindet sich an und auf dem Weg.

Anschließend fahren wir zum westlichen Parkeingang. Hier wandern wir auf einem sandigen Weg durch einen Palmenwald nahe am Strand entlang. Schmetterlinge, Eidechsen, Blattschneideameisen und Brüllaffen sehen wir. Als wir die Absperrung erreichen, entscheiden wir, am Strand zurückzugehen. Zwei junge Waschbären toben dort. Vielleicht praktizieren sie gerade Judo, denke ich angesichts ihres Abrollens.
Am Abend gehen wir mit Tina und Frank essen und verbringen wieder einen sehr netten Abend miteinander. Abschied müssen wir nicht nehmen, da wir feststellen, dass wir fast zur gleichen Zeit von San José abfliegen werden.






Und im Laufe der beiden Tage sehen wir mehrere Faultiere auf dem Grundstück. Absolutes Highlight ist ein Faultier, dass direkt vor unserer Terrasse in vier Meter Entfernung genüßlich Blätter kaut. Ruths Augen strahlen und sie widmet verständlicherweise reichlich Zeit dem drolligen Kerlchen. Faultiere schlafen ca. zwanzig Stunden am Tag. Wir haben Glück, denn unser Nachbar hat gerade reichlich Hunger und unsere Gegenwart stört ihn kein bißchen.



Adios Karibik
Unsere Zeit in Costa Rica neigt sich dem Ende und wir verlassen Puerto Viejo. Durch die Berge mit Kaffeeplantagen fahren wir nach San José und quälen uns von Ost nach West durch den Berufsverkehr. Ein letztes Abendessen in dem Lokal, an dem wir an unserem ersten Abend in Costa Rica waren und schon heißt es tagsdrauf am Flughafen Wagen abgeben und Gepäck aufgeben.
Wir treffen wie erwartet auf Tina und Frank am Flughafen und klönen gemütlich im Transitbereich, dadurch verkürzt sich die Wartezeit wie im Fluge. Dann heißt es Abschied nehmen. Und bereits zwölf Stunden später sind die beiden in Europa und wir in Chile. Das wirkt irgendwie surreal: Gerade noch gemeinsam gesnackt und kurze Zeit später 12.000 Kilometer zwischen uns.


Pura Vida
Ruth und ich lassen unseren Mittelamerika-Trip vor unserem inneren Auge vorbeiziehen. Uns gefällt Costa Rica; allerdings schwärmen wir nicht so enthusiastisch wie viele andere. Irgend etwas fehlt uns und wir rätseln länger darüber. Wir haben schöne Landschaften, tolle Strände und Wälder erlebt. Wir trafen eine vielfältige Fauna und vor allem Flora an. Glücklich sind wir, dass wir schlussendlich doch noch mehrere Faultiere sehr nah gesehen zu haben. Doch was irritiert uns? Zum einen ist Costa Rica sehr auf (amerikanischen) Tourismus ausgerichtet. Man muss für jeden Parkbesuch bezahlen und oft gibt es oft nur einen Rundweg oder man darf nur mit Guide sich bewegen. Im Gegensatz dazu sind wir in Europa gewöhnt, dass man sich frei in der Natur bewegt und es viele verschiedene Wandermöglichkeiten in Nationalpark gibt. Zum andern haben uns in Nicaragua die Geschichte, die Politik und die städtische Kolonialarchitektur fasziniert, was es in Costa Rica in der Form nicht gibt. Keine dortige Stadt hat ein schönes koloniales sichtbares Erbe. Costa Rica ist Natur pur. Nicaragua ist Kultur pur plus Natur. Gleichwohl die Natur in Costa Rica noch beeindruckender ist.


























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