#36 Valparaíso 2.0

Nach Zwischenlandung in Lima landen wir um sechs Uhr in Santiago de Chile und fahren mit dem Bus weiter nach Valparaíso.

CHILE

15.03.2026

3/15/20265 min read

Valparaíso again

Welcome home

Uns zieht es wieder nach Valparaíso, dieser Stadt am Meer, die uns vor zwei Monaten um ihren Finger gewickelt hat. Früh morgens landen wir in Santiago de Chile. Per Uber geht es zur Bushaltestelle und von dort fast nahtlos nach Valparaíso. Es flutscht und eh wir uns versehen, ziehen wir in „unseren“ Bungalow bei Carolina ein. Sie freut sich, als sie uns sieht, und wir uns auch. Es ist ein wenig wie nach Hause kommen. Valpo - wie die Einheimischen es liebevoll nennen - ist keine blank polierte, sauber geleckte Stadt, für die Hochglanzbroschüren werben würden.

In einem Reiseführer finden wir folgendes Zitat zu Valparaíso „Der Name ist Programm - wenn eine Stadt so heißt, erwartet man einiges. Doch was man sieht, ist zunächst das pure Gegenteil: Kein paradiesisches Tal gibt es hier zu bestaunen, sondern ein wildes Häusersammelsurium, das abfallende Hügel geworfen haben. Valparaíso ist laut, eigenwillig, nicht ganz sauber und lebhaft - und für den, der es mag, einfach wunderschön.“ Wir würden noch das Adjektiv „bunt“ ergänzen.

Natürlich streifen wir durch die Straßen und Gässchen der Cerros, der Hügel und entdecken weitere Kunstwerke und Murales an Häuserfassaden. Unglaublich wie viele Künstler sich hier ausgetobt haben.

Wir kaufen an uns bekannten Orten ein und kochen auch mal wieder selber. Die Küche in unserer Unterkunft ist gut ausgestattet und wir dürfen sie mitbenutzen. Danke, Carolina. Jeden Abend sitzen wir mit weit über die Hügel und die Bucht schweifendem Blick gemütlich auf der Terrasse. Die Farben des Häusermeers und des Himmels changieren immer wieder aufs Neue. Der Mond erhebt sich über den Hügeln und Sterne blitzen nach und nach auf. Wir saugen diesen Anblick in uns auf und können uns daran nicht satt sehen.

In der Ferne sehen wir tagsüber einen Schnee bedeckten Berg. Es ist der Aconcagua, der mit 6.961m höchste Andenberg des gesamten amerikanischen Kontinents, wie wir von Carolina erfahren.

Wir besuchen eine Galerie, die versteckt im ersten Stock eines Gebäudes liegt und die wir Weihnachten auf der freewalking tour kennengelernt haben. Dort arbeiten Künstlerinnen und Künstler und es gibt wechselnde Ausstellungen. In einem Raum sind bemalte Kaffee-to-go-becher ausgestellt und aus Weinkorken hat ein Künstler Frauenakte erstellt.

Bereits frühmorgens als es draußen noch dunkel ist, hören wir die Nebelhörner der Schiffe. Da fühlt sich der Hamburger doch gleich heimisch. Die Bucht versteckt sich unter einer weißen Decke. Vereinzelt ragt mal eine Schiffsbrücke aus dem Nebelmeer heraus und verschwindet dann wieder. Bis Spätmittags ziehen Nebelschwaden die Hügel empor und lösen sich dann auf. Eine besondere Atmosphäre mit wechselnden Farbspielen.

Die Multikultigeschichte von Valparaíso

Carolina hat uns das Museo del Inmigrante empfohlen. Mit Audioguide hangeln wir uns durch die informative und beeindruckende Ausstellung. Seit Jahrhunderten sind Menschen aus verschiedensten Ländern nach Valparaíso immigriert. Multikulti bildet die Grundlage dieser Stadt. Im Museum werden neben dem Alltagsleben auch Geschichten von einzelnen Siedlern präsentiert. Vor allem Menschen aus Spanien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kroatien und Deutschland sind nach Valparaíso gezogen. Dieses spiegelt sich auch in den verschiedenen Baustilen wieder. Das Museum ist in der ehemaligen deutschen Schule untergebracht und im Keller besichtigen wir die Original-Kegelbahn, aus der Zeit als sich hier noch die deutsche Gemeinschaft traf.

Vamos a la playa

Wochenende sei der westliche Stadtstrand „Las Torpederas" überlaufen, insbesondere da dieses das letzte Ferienwochenende ist, erwähnt Carolina und empfiehlt montags am ersten Schultag diesen aufzusuchen. Wir fahren zum Busbahnhof, der in der Innenstadt liegt, um ein Busticket nach Santiago für den nächsten Tag zu erwerben. Dann stellen wir uns an eine nahe Bushaltestelle für die lokalen Busse und warten auf den Bus 522, der entgegen der Behauptung von google nicht erscheint. Während wir warten, weist eine chilenische Frau Ruth daraufhin, dass sie ihre Bauchtasche mit beiden und nicht nur einer Hand festhalten soll. Der Innenstadtbezirk scheint ein heißes Pflaster zu sein. Wir sind kurz davor einen Uber zu buchen, ich frage den Busfahrer einer anderen Linie, ob er zur Universidad de Playa Ancha fährt. Er bejaht und so steigen wir ein und werden zur Strandnahen Universität kutschiert. Wir laufen zum kleinen Playa Las Torpederas. Ich halte meine Füsse ins Wasser und stelle fest, dass die Temperatur einiges unter der des karibischen Meeres liegt. Zu Fuß marschieren wir insgesamt fünf Kilometer an der Küste entlang. Erst passieren wir Strand, dann den Containerhafen und den Marinestützpunkt. Nun haben wir uns einen Kaffee verdient. Wie so oft nehmen wir auf dem Heimweg für ein paar Höhenmeter einen der über hundert Jahre alten Ascensores. Von der oberen Station heißt es dann weiter den Hügel hinauf schreiten. Kein Wunder, dass wir hier kaum Menschen mit Fahrrad sehen. Jeden Tag eine Bergetappe wie auf der Tour de France will sich hier kaum jemand antun.

Hasta luego?

Und schneller als gedacht, verfliegen unsere Tage in Valparaíso. Auch wenn wir bekannte Straßen entlang schlenderten, empfanden wir nie Langeweile. Immer wieder entdeckten wir neue Kunstwerke. An den Morales, den Farben und den Häuserfronten dieser Stadt können wir uns einfach nicht satt sehen und saugen diese auf. An kaum einem Ort haben wir auf unserer Reise bisher so viele Motive fotografisch festgehalten. Wir fühlen uns hier schon ein wenig heimisch, woran auch Carolina und hier Haus einen wesentlichen Anteil haben. Als wir kurz vor Weihnachten bei ihr ankamen, sagte sie nicht „fühlt euch wie zuhause“, sondern stellte klar: „Das ist euer Zuhause“. In der Formulierung ein kleiner Unterschied, in der Aussage ein großer.

Ob wir jemals wieder hierher kommen, glauben wir momentan nicht und dennoch trauern wir nicht, sondern sind dankbar, dass wir diesen Ort - entgegen unseren Erwartungen - kennen und lieb gewinnen durften.

Frühmorgens noch im Dunkeln ziehen wir die schwere Gartenpforte hinter uns zu und brechen zum Busbahnhof auf. Von dort nehmen wir erst den Bus nach Santiago de Chile und dort dann einen weiteren zum Flughafen. Das nächste Reisekapitel wartet. Über den Pazifik geht es nach Auckland.