
#37 Welcome to Middle-earth
Nach 12,5 Stunden landen wir in Auckland und als erstes erleben wir eine kleine Schnitzeljagd des hiesigen Zolls...
NEUSEELAND
21.03.2026
3/21/20269 min read
Auckland - das Eingangstor zu Neuseeland
Nach 12,5 Stunden landen wir in Auckland, der größten Stadt des Landes. Nachdem wir das Flugzeug verlassen haben, wenden sich die Zollbeamten uns intensiv zu. Als erstes schnüffelt ein Zollhund an uns. Vor der Einreise ist eine Zolldeklaration erforderlich. Diese hatten wir bereist im Vorweg in einer app getätigt. Allerdings funktioniert diese bei unserer Ankunft nicht. Das führt dazu, dass wir zwischen verschiedenen Schalter hin und hergeschickt werden. Online muss man angeben, ob man Lebensmittel einführt und in welchen Ländern man in den letzten dreißig Tagen war und ob man dort in der Natur oder Wildnis unterwegs war. Hintergrund ist, dass es in Neuseeland viele endemische Pflanzen gibt, und das Land schützt daher seine Natur vor pflanzlichen Eindringlingen. Wir haben zwar keine Lebensmittel bei uns, allerdings mitgeteilt, dass wir Nationalparks in Costa Rica besucht haben. Der Officer interviewt uns und will wissen, welches Outdoorequipment wir mit uns führen und welche Schuhe wir anhatten. Wir zeigen auf die Schuhe, die wir gerade anhaben. Und wie so mancher Reiter die Hufe seines Pferdes kontrolliert, heben wir nun unsere Fusssohlen hoch, damit er diese inspiziert. Noch einmal schnüffelt ein Hund an uns, dann können wir endlich das Flughafengebäude verlassen.
Wir buchen ein Taxi. Unser Taxifahrer lebt seit 2001 in Neuseeland und hat lange als Lagerist bei einem weltweit agierenden Lebensmittelunternehmen gearbeitet. Ursprünglich kommt er aus Indien. Inzwischen stellt er zuhause Eis mit Safran, Mango oder Kardamom her, das in einem indischen Café von einem Freund verkauft wird. Taxi fährt er, weil er sich gerne - so wie mit uns - mit Menschen unterhält. Seine Frau und er lieben das Reisen und sind schon viel durch die Welt gereist, berichtet er. Nebenbei erhalten wir noch eine kleine Einführung in die Stadt mit Tipps. So empfiehlt er uns statt vom teuren Fernsehturm die Stadt lieber bei Sonnenuntergang vom Mount Eden zu betrachten, das sei kostenlos und mindestens genauso schön. Was für eine nette Begegnung.
Wir ziehen bei Emma und ihrem Sohn Finn in einem netten Stadtteil von Auckland ein. Ihr Haus liegt in einer Anlage mit vielen Reihenhäusern. Jedes Haus hat im Erdgeschoss eine Haustür und direkt daneben eine Garage. So treten wir durch die Tür in den kleinen Hausflur. Geradeaus versteckt sich hinter einer Tür der Aufgang zu der Wohnung der beiden, in den beiden oberen Stockwerken. Wir gehen links und stehen in der Garage, an dessen Ende unser nettes Appartement mit kleinem Garten liegt. Das Abwaschbecken befindet sich in der Garage und so waschen wir unser Geschirr neben der Motorhaube von Emmas Wagen ab. Die gesamte Garage hat Teppichboden und der Kleinwagen von Emma steht dort wie in einem Showraum. Irgendwie schon witzig. Das Appartement ist gut ausgestattet und die Küche mit Espressomaschine und einem elektrischen Milchaufschäumer begeistert mich alten Kaffeejunkie.








Nachdem wir ausgeschlafen haben, fahren wir in die Innenstadt, schlendern durch diese und besichtigen den Hafen mit der Waterfront. Auckland wird auch city of sail genannt, denn Segeln ist hier sehr beliebt. Mehrmals gewann Neuseeland den prestigeträchtigen Admirals Cup. Das entspricht ungefähr dem, als wenn die DFB-Auswahl Europameister werden würde. Im Hafen sind ehemalige Segelyachten zu sehen, die den Admirals Cup gewonnen haben.
Uns zieht es zum gegenüberliegenden Ufer und wir nehmen die Fähre nach Devenport, das wir bereits vor zehn Jahren erkundet haben und besuchen neben der zentralen, kleinen Einkaufsstraße die öffentliche Bücherhalle. Es ist ein kleines hübsches Örtchen mit kleinen Geschäften. Abends besuchen wir ein vorzügliches thailändisches Restaurant.
Mein letzter Friseurbesuch liegt drei Monate zurück, so dass ich einen Barbarshop aufsuche. Der zweiundzwanzigjährige Kiwi schnappt sich seine Schere und legt los. Wir unterhalten uns über Rugby, Kricket und Reisen. Abends gehen Ruth und ich in einen Fish- and Chips-Laden. Zwei erfahrene Mitarbeiter lernen gerade im trubeligen Freitagsgeschäft drei neue an. Da wird es schon mal hektisch auf der anderen Seite des Tresens und auf unserer Seite heißt es, Geduld und Verständnis mitzubringen, was die anderen Gäste und wir selbstverständlich haben.


























Eh wir uns versehen sind die drei Tage in Auckland vorbei und wir nehmen den Flieger nach Christchurch. Halbstündig fliegen verschiedene Airlines die zweitgrößte Stadt Neuseelands an. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Flugzeuge hier nach dem Auto das wichtigste Fortbewegungsmittel. Würde man die Bahn nehmen, benötigt man zwischen 24 und 28 Stunden für die 1.000 Kilometer, da auch eine dreistündige Fährüberfahrt von der Nord- auf die Südinsel auf dieser Strecke erforderlich ist. Ein Flugzeug benötigt weniger als eineinhalb Stunden. Wir landen nachmittags und werden von unserer Freundin Lyn abgeholt. Lyn, ihren Mann Cam und ihren Sohn Joe haben wir vor zehn Jahren kennengelernt. Unsere Freundin Bibbi hatte damals den Kontakt hergestellt. Als sie hörte, dass wir beide mit behinderten Menschen beruflich zusammenarbeiten und nach Christchurch reisen, fragte sie bei Lyn an, denn Lyn gründete 2001 Jolt, das Tanzprojekte für Menschen mit Behinderung anbietet. Die Gastfreundschaft von Lyn und Cam ist mal wieder unglaublich. Sie haben für uns den Wohnwagen von Lyns Schwester vor ihr Haus gestellt. Als wir ankommen begrüßt uns ein Familienmitglied, das wir noch nicht kennen: Koda, ein Labradorhund, der ungewöhnlicherweise so gut wie nie bellt. Dafür liebt er es, wenn wir Ball oder Frisbee werfen. Schnell schließen wir Freundschaft mit ihm und morgens begrüßt er uns begeistert.
Als wir vor zehn Jahren zur gleichen Jahreszeit Christchurch besuchten, war das Gras auf den Hügel vertrocknet und beige. Nun herrschen noch Grüntöne. Ebenso wie der Taxifahrer in Auckland berichten Lyn und Cam, dass der Sommer sehr regnerisch und kühler als sonst war.




















Wir fühlen uns sofort wieder heimisch. Lyn, Joe und Cam nehmen uns wie Familienmitglieder auf und folglich gibt es am Sonntag einen Familienausflug. Wir fahren mit Lyn und Cam durch den Nobelstadtteil Sumner auf die östlich gelegene Halbinsel und besuchen die Godley Head Gun Battery, eine militärische Verteidigungsanlage aus dem zweiten Weltkrieg, von der aus der Naturhafen von Lyttelton geschützt wurde. Wir wussten, dass australische und neuseeländische Soldaten, die sogenannte ANZAC (Australian and New Zealand Army Corps), im ersten und zweiten Weltkrieg auf britischer Seit in Europa gekämpft haben, aber dass der zweite Weltkrieg auch hier stattfand, war uns unbekannt. Die Anlagen wurden angelegt, um den Hafen vor japanischen Angriffen zu schützen. Inzwischen ist die alte Abwehrbatterie idyllisch von Farmland umgeben und mittendrin befindet sich ein einfacher Campingplatz.
Weiter geht es zum Eisessen nach Lyttelton und in ein nettes Café, das wir bereits vor zehn Jahren geentert hatten. Zum Abschluss holt Cam seinen zweisitzigen Lotus, Baujahr 1996 heraus. Dicht über dem Asphalt sitzend, mit röhrenden Motor und wehenden Haaren haben wir beide jeweils Spaß daran, mit ihm durch die nähere Umgebung zu cruisen, bevor es ins nahegelegende Pub zum Abendessen geht.
















Wie schon vor zehn Jahren werden wir in den nächsten zwei Tagen bei Tanzprojekten von Jolt teilhaben. Montag brechen wir gemeinsam mit Lyn zu einem der großen Theater in der Innenstadt auf. In einem Theaterprobenraum lernen wir Lophan, Aman, Roshal, Joe und Sesire kennen. Sie gehören alle zu einer Improvisationsgruppe des Tanzprojektes. Sesire leitet die Gruppe an. Er überträgt viel Verantwortung an die vier, die zusammen erst jeder für sich und dann gemeinsam eine Tanzimprovisation mit dem Ziel einer gemeinsamen Choreographie entwickeln. Wir sind von der kollegialen Zusammenarbeit und der Konzentration in dem zweistündigen Zeitraum beeindruckt. Eine Besonderheit von Jolt, die wir vor zehn Jahren schon mitbekamen ist, dass Menschen mit Behinderung zu Tanzlehrern ausgebildet werden, die andere Menschen mit Behinderung aber auch Grundschüler in Schulen unterrichten und anleiten. So fahren wir anschließend mit Lyn und Roshal zu einem kirchlichen Gemeindezentrum. Hier leitet Roshal eine Gruppe von behinderten Menschen, die in Wohneinrichtungen leben, mit Unterstützung von Lyn und Kathy an. Sie hat sich für die Stunde ein einstündiges Programm mit verschiedenen Übungen überlegt. Wir sind wieder einmal beeindruckt.


Tagsdrauf treffen sich acht Tanzlehrerinnen und -lehrer von Jolt für drei Stunden im Gemeindezentrum. Es wird gemeinsam mit Lyn und Kate reflektiert, wie die Tanzstunden der letzten Woche verlaufen sind und weitere Stunden werden geplant. Als erste entwickelt Roshal Elemente für ihre nächste Gruppenstunde und probt diese mit uns und den anderen Lehrern. Joe hat währenddessen die Aufgabe sich zwanzig Minuten in einem Nebenraum zurück zu ziehen und seine nächste Stunde zu planen. Als er fertig ist, wird seine Planung an einer Tafel visualisiert und er probiert die Stunde mit uns allen umzusetzen. Dabei coachen Lyn und Kate ihn und geben Hinweise. Drei Stunden später setzt Joe seine Idee in Realität um. Es kommt eine bunte Gruppe von Menschen mit höheren Assistenzbedarf und unterschiedlichen Altersstufen zusammen.




Joe leitet an, während seine Lehrerkolleginnen und -kollegen einzeln der Kursteilnehmerinnen und -nehmer Assistenz anbieten. So helfen sie Rollstuhlfahrern, die selber ihren Rollstuhl nicht bewegen können, sich im Raum zur Musik zu bewegen oder bieten basale Unterstützung. Lyn und Kate halten sich im Hintergrund und intervenieren bei Bedarf. Beachtlich wie sanft auf die einzelnen Teilnehmenden physisch und emotional eingegangen wird. Musik und Bewegung ermöglichen eine offenes, einfühlsames Angebot für jeden einzelnen. Nachdem alle Gäste gegangen sind, wird noch gemeinsam der Nachmittag reflektiert. Das ist die Form von Empowerment, die wir sehr schätzen.
Mittwoch hat Lyn frei. Statt sich nach zwei anstrengenden Tagen zurückzulehnen, bietet sie uns eine Stadtführung in Christchurch an. Wir besuchen unter anderem die alte Universität, die inzwischen eine Kunstzentrum ist und gehen auch in ein neues Museum. Der Museumsbesuch ist für die Bürger Neuseelands kostenlos. Eine sehr sinnvolle Entscheidung, die uns in Europa auch gut täte. Denn zum einen würde dieses auch Menschen mit weniger Einkommen den Besuch ermöglichen und zum anderen geht man dann sicher öfters ins Museum. Wie oft ist es so, dass wir Eintritt zahlen und dann selbstverständlich möglichst viel, wenn nicht sogar alles in einer Museum sehen wollen. Spätestens nach Besichtigung der Hälfte einer Ausstellung läuft die zerebrale Festplatte über. Wäre der Eintritt kostenlos, würde man sicher das Museum tageweise in Häppchen genießen und sich den einzelnen Ausstellungen oder Abteilungen intensiver zu wenden.
Auch in Christchurch hat sich in den letzten Jahren eine Streetart-Szene entwickelt und viele Murals geben der Stadt einen besonderen Touch.
An unserem letzten Abend grillen wir gemeinsam und es gilt Abschied zu nehmen. Cam bringt uns wie selbstverständlich am nächsten Vormittag zu unserer Campervermietung. Wir sind wiedermal gerührt, wie entspannt und gastfreundlich unsere neuseeländische Freunde sind.






















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