
#39 Von Delfinen und Bergen
Wir brechen in Richtung der abseits der Haupttouristenpfade liegenden Catlins auf und besuchen auch den südlichsten Punkt der Südinsel.
NEUSEELAND
05.04.2026
4/5/20268 min read
The Catlins
Von Manapouri fahren wir nach Südosten. Unser Ziel sind die Catlins, die abseits der touristischen Hauptpfade liegen und schon 2015 eine Empfehlung unserer Freunde Lyn und Cam waren. Ziel ist die Curio Bay. Ein Ort, an dessen Nordwestküste die seltenen Gelbaugenpinguine leben. Allerdings sind sie aktuell in der Mauser und kommen daher nicht aus ihrem Bau, da ihre neuen Federn noch nicht wasserabweisend sind. Sobald die Federn dieses sind, verschwinden die Pinguine für vier bis sechs Monate in den Weiten des Meeres, um dann zur Paarung und Aufzucht der Jungen wieder an Land zu kommen.
Wir fahren hinter Invercargill gemütlich die Küste entlang und machen kleine Abstecher. Am Waipapa Point Leuchtturm treffen wir auf zwei Seelöwen, die sich im Sand erholen. Beeindruckend an der Küste ist für uns immer wieder der Kelp. Dieses ist eine Makroalge, die riesige Tangwälder bilden, die sich in der Strömung hin und her wiegen. Wenn sie an Land liegen, staunen wir, wie dick und fest sie sind. Sie fühlen sich mal ledrig, mal wie ein aufgeblasener Fahrrad- oder Wasserschlauch an. Auch stoppen wir am Slope Point, dem südlichsten Punkt der Südinsel. Von hier sind es bis zum Äquator 5.140 Kilometer und zum Südpol noch 4.803 Kilometer. Schon 2016 standen wir an diesem Schild. Wir vergleichen die Bilder von heute und von vor zehn Jahren und stellen fest, dass entweder wir kleiner oder die Schilder gewachsen sind.


















Die kleinsten Flipper der Welt
Schließlich erreichen wir die Curio Bay, eine traumhafte sichelförmige geschützte Bucht, mit wunderbarem Sandstrand und besonderen Bewohnern. Hektordelfine, die seltenste und eine der kleinsten Delfinarten der Welt, tummeln sich hier. Als wir nachmittags ankommen, können wir ihre Finnen immer wieder vom Ufer aus begeistert sehen.
Auf der anderen Seite des Campingplatz liegt ein felsiger Strand, an dem wir versteinerte Bäume antreffen. Es sieht wie echtes Holz aus, ist allerdings purer Stein.
Wir tragen unsere Stühle, den Tisch und unser Abendessen auf einen Hügel neben unserem Stellplatz. Hier liegt die gesamte Bucht uns zu Füssen und wenn wir den Blick seitlich schweifen lassen, schauen wir über den offenen Pazifik. Die Sonne geht unter und wir genießen die schönen Lichtstimmung des Sonnenuntergangs.




















Im kühlen Wasser mit Delfinen
Eigentlich wollten wir schweren Herzens nach dem Frühstück von Curio Bay weiterfahren. Wir gehen nochmal zum Strand und sehen wie Delfine ein paar hundert Meter entfernt wie um die Wette springen. Als sie näher an unserem Strandabschnitt sind, ziehen wir unser Schwimmzeug an und gehen in die 15 Grad warmen - oder passender formuliert - kühlen Fluten. In ca. 15 m Entfernung schwimmen sie vorbei. Irgendwann ist es zu kalt und wir verlassen das Wasser und legen uns trocken. Vom Ufer schauen wir lange ihrem Treiben in der Bucht zu. Als es mehr Delfine werden und sie an einer Stelle um ein Paar sowie einen Kajakfahrer herumschwimmen, ziehen wir unsere nassen Badeklamotten nochmal an und begeben uns ins Meer. Und wie es sich lohnt! Während wir bauch- bis brusthoch im Wasser stehen, schwimmen die Delfine um uns herum, ziehen Kreise um uns und flitzen teilweise mit nur dem Abstand einer Din A4 -

Seite an uns vorbei. Wir sind hin und weg. Apropro hin und weg. Gelegentlich kommt ein Set von größeren Wellen. Wir springen dann hoch, um nicht überspült zu werden. Ruth haut es dabei zweimal komplett um und sie wird von Wellen mitgerissen. Frisch durchgespült steht sie sofort wieder auf, prustet einmal, streicht die Haare aus dem Gesicht und widmet sich sofort wieder ihren kleinen neuen Freunden. Ihre Begeisterung ist in dem Video gut zu sehen. Stunden später als geplant, doch glückselig verlassen wir den Strand.
Das sind diese Momente, die du dir für kein Geld der Welt kaufen kannst. Die Natur beschenkt uns reichlich und das noch kostenlos.
Die Südalpen
Nun fahren wir durch die wenig bevölkerte, hügelige und bezaubernde Landschaft der Catlins nach Norden. An einzelnen Aussichtspunkten gönnen wir uns eine kleine Pause. Abends erreichen wir Dunedin. Der Wetterbericht für Neuseeland prognostiziert eine kräftiges Regengebiet für in den nächsten Tagen. Gerne würden wir die Südalpen mit dem Mount Cook, dem höchsten Berg Neuseelands noch sehen, bevor das Tiefdruckgebiet kommt und so fahren wir am nächsten Morgen zum Lake Pukaki. Auf dem riesigen Stellplatz, auf dem ich abends mehr als 120 Wohnmobile zähle, ergattern wir im Nordosten einen Platz zwischen Steinen mit unverstellten Blick über den türkisfarbenen See auf den Mount Cook, der in fünfzig Kilometer Entfernung zu sehen ist. Wir genießen die Farbspiele der Abendsonne und das Panorama. Die Toilette ist zwar sechs Minuten zu Fuß entfernt, doch das stört nicht, denn unser wunderschöner Platz mit der Aussicht, ist jeden Laufmeter wert.














Am nächsten Morgen haben Wolken die Alpen verschluckt. Wir düsen weiter mit Cappucino-Stopp am Lake Tekapo in Richtung Christchurch. Am Lake Tekapo steht die sehr bekannte Kapelle „Church of the Good Shepherd“. Vor zehn Jahren konnten wir sie noch besuchen. Das Besondere ist, dass hinter dem Altar keine Bleiglasbilder vorzufinden sind sondern eine große Fensterfront, von der man raus auf das Bergpanorama - also Gottes Schöpfung - blicken kann. Inzwischen ist die Besucherzahl so stark angewachsen, dass die Kapelle nur von draußen besichtigt werden kann.






Weiter fahren wir durch das Hinterland. Auf einer hübschen Landstraße fahren einige Oldtimer. Ein netter, nostalgischerAnblick.
Es wird grauer, nieseliger und aus dem grauen Nebel erscheint plötzlich ein blinkender Pickup mit dem Hinweis, dass ein Schwertransporter mit Haus folgt. Der Fahrer fordert uns auf, auf die Straße zu verlassen und auf den Grasstreifen zu fahren. Und dann erscheint das graue Monster aus dem grauen Nichts. Unser eins sammelt beim Umzug seine sieben Sachen, packt sie in Kartons und zieht in das neue Zuhause. Hier nimmt man das Haus Huckepack und lässt es am neuen Ort absetzen. Das spart das mühselige Karton ein- und auspacken.
Das Tiefdruckgebiet hat den Tag im Griff. Wie erreichen einen Campingplatz nördlich von Christchurch. Inzwischen stürmt es auch noch, so dass wir es uns in unseren Camper abends gemütlich machen. Sturmböen rütteln uns in den Schlaf.







Nelson - ein netter Ort im Norden der Südinsel
Über den Lewis Pass fahren wir bei tristen Wetter weiter nach Nelson. Es ist Freitag und, wenn möglich, machen wir es wie viele Kiwis am Freitagabend und suchen eine Fischbude auf, um uns eine Portion Fish & Chips zu gönnen. Da wartet man halt geduldig eine halbe Stunde im Imbiss. Das gehört zum Ritual dazu. Am Samstag besuchen wir den Farmer-Market in der Innenstadt und erwerben frisches Gemüse und gesunden Manuka-Honig. Nelsons Innenstadt ist nicht geleckt und schon gar nicht durchgestylt; es bietet viel Flair mit seinen überdachten Bürgersteigen in den Einkaufsstraßen.
Und außerhalb schauen wir noch bei einem Weingut vorbei und bunkern zwei Flaschen im Campervan-Weinkeller.












Reisen, Abenteuer, Kultur und Natur erleben
www. world-discover.de
© 2025. All rights reserved
