#43 Go west and then wait

Von Wellington fahren wir erst Richtung Nordwesten und biegen dann auf den Surfhighway 45 ab.

NEUSEELAND

22.04.2026

4/22/20264 min read

Go West

Eine Ecke, die wir noch nie besucht haben, bildet der Westen der Nordinsel um den Vulkan Taranaki, früher auch Mount Egmont genannt. Dieser liegt 300 Kilometer nordwestlich von Wellington. Bei regnerischem Wetter und kräftigem Wind kämpft sich unser Campervan über einige Hügel. Wir erreichen Opunake, dass am Surf Highway 45 liegt. Ein kleiner unscheinbarer Ort, an dem wir bei schönem Sternenhimmel übernachten. Landwirtschaft und einsame Surfstrände prägen diese Gegend. Am Folgetag erkunden wir die Küste, halten mal wieder an einem Leuchtturm und schauen wieder einmal Surfern bei ihrem Treiben zu. Das Meer, die Wellen und die Surfer zu betrachten, hat schon fast meditative Wirkung auf uns. Es fällt uns immer wieder schwer, uns von diesem Anblick loszueisen. Surfer sind von allen Wassersportlern die Könige des Meeres.

New Plymouth

Nachdem wir die Stadt, die sich an einer langen Bucht mit Strand entlangzieht, erkundet haben, beziehen wir Quartier auf einem Campingplatz in New Plymouth mit schönem Blick über die tasmanische See und bestaunen einen schönen Sonnenuntergang.

Von New Plymouth kann man den 2.500 m hohen Vulkan Taranaki sehen. Er ist ein alleinstehender, sehr markant aus der Landschaft herausragender Vulkan.  Die meiste Zeit im Jahr ist seine Spitze mit einer weißen Schneehaube versehen, doch nun am Ende des Spätsommers hat auch der letzte Schneerest in den flüssigen Aggregatzustand transformiert. 

Mount Taranaki

Die Wetter-app sagt strahlend blauen wolkenloser Himmel und 23 Grad voraus. Das schreit ja förmlich nach Outdooraktivität. Wir setzen uns das Ziel zu der Pouakai Hütte, die oberhalb der Baumgrenze auf 1.210 m liegt zu wandern. Vom Parkplatz geht es zwei einhalb Stunden lang durch grünen Wald über 600 Meter aufwärts. Wir sehen Bäume, Wald, Bäume, Wald; erst nach zwei Stunden öffnet sich der Blick und wir können in die Ferne über die Bäume hinweg sehen. Der Weg besteht von Anfang an aus Stufen mit unterschiedlichen Abständen und Stufenhöhen. Ruth zählt und zählt. Nach über 3.500 Treppenstufen erreichen wir die Pouakai hut. Ich gehe noch ein paar Höhenmeter weiter zu einem kleinen Teich, in dem sich der Taranaki spiegelt. Im Gegensatz zu manch anderen genieße ich den Anblick, schieße ein paar Bilder vom sich im Wasser spiegelnden Vulkan und verzichte darauf, mich in verschiedenen Posen selbst darzustellen und abzulichten, als ob ich auf das Cover einer Modezeitung gelangen möchte. An solchen Orten finde ich es immer wieder befremdlich, dass es manchen Menschen wichtiger zu sein scheint, sich selbst digital zu inszenieren, statt die tolle Natur zu bewundern oder lediglich diese zu fotografieren (ohne das man selbst als Hauptmotiv im Vordergrund steht und die Landschaft lediglich wie eine Fototapete im Hintergrund aussehen lässt). So stellt man sich selbst in den Mittelpunkt der egozentrischen Socialmedia-Welt. Wohlmöglich würde Karl Marx heutzutage in seinem berühmten Satz „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ das Wort „Sein“ durch „Schein“ ersetzen.

Vielleicht übersehe ich auch wesentliche Aspekte der Neuzeit und schaue nicht mehr zeitgemäß und etwas altertümlich auf mein Umfeld. Auch ich werde älter...

Was - verdammt noch mal - macht Vaianu?

Eigentlich war unser Plan, dass wir nun schon auf dem Weg über den Tongarino Nationalpark an die Ostküste wären. Doch schon seit Tagen verfolgen wir wie alle Neuseeländer den Wetterbericht, denn zwischen den Fiji und den Salomon Inseln wütet seit einer Woche ein tropischer Zyklon namens Vaianu, der Richtung Neuseeland sich bewegt. Prognostiziert wird ein Sturm mit bis zu 140 km/h, sintflutartigen Regenfällen, Überflutungen und Meereswellen von 6 bis 6,5 m Höhe. Wir schauen täglich auf die Wetterkarte und entscheiden nicht weiter zu fahren, sondern zwei Tage länger als ursprünglich geplant hier im Westen zu bleiben, da der Zyklon nach Südosten zieht und dort stärker wüten soll. Beim Kochen auf dem Campingplatz sprechen wir mit zwei Kiwis über den Tropensturm. Das Ungewöhnliche an Vaianu sei, dass es seit Jahrzehnten noch keinen Sturm gegeben habe, bei dem eine Warnungen für die gesamte Nordinsel und Teile der Südinsel ausgesprochen worden sei.

Und als ob die Sonne nochmal glänzen will, bevor es das Unwetter sie verdeckt, erleben wir einen farbintensiven Sonnenuntergang, wie wir ihn selten gesehen haben. Und das heißt schon was, denn  wir haben insbesondere in unserem Sabbatical nicht wenige verzaubernde gesehen. 

Wir wechseln nochmal den Campingplatz, da unser am Meer liegt und wir einen geschützteren wollen. Ein Campingplatz liegt in einem Wohngebiet und viele Plätze sind von Hecken umgeben, von denen wir uns Windschutz versprechen.

In der Nacht setzt Regen ein und stoppt nach zwölf Stunden. Glücklicherweise ist es kein Starkregen. Nachdem der Regen endet, legt der Wind los. Doch es mögen, so schätzen wir, lediglich 6 - 7 Beaufort sein. Also für Nordlichter, wie wir es sind, ein Segen nur ein herbstliches Wetterphänomen.

Und auch im restlichen Land wütet der Zyklon nicht so schlimm wie befürchtet. Es kommt zu Überflutungen und einigen Erdrutschen, so dass einige Straßen in östlichen Landesteilen gesperrt sind. Als wir am nächsten Morgen weiterfahren begleitet Starkregen und Starkwind mit kräftigen Böen uns. Es wirkt fast, als ob an diesem Tag die Nachhut des Tropensturms vorbeirauscht.