#50 Welcome back - Europa hat uns wieder

Good bye tropical Singapur, hello cool Frankfurt.

HAMBURG

31.05.26

5/31/20266 min read

Willkommen in Deutschland

Bei sonnigen 33 Grad Celsius sind wir in Singapur gestartet und dreizehn Stunden später landen wir bei 11 Grad in Frankfurt. Geduldig warten wir am Gepäckband auf unsere beiden Rucksäcke. Schließlich erblicken wir sie, werfen sie auf einen Trolley und bewegen uns in Richtung Ausgang. Herzlich werden wir von meiner Schwester Kirsten und meinem Schwager Axel empfangen. Wie schön. Unsere erste Nacht in Europa verbringen wir bei den beiden in Gießen. Wir frühstücken gemütlich und tauschen uns über die letzten Monate aus. Kirsten hatte uns im Vorweg gefragt, ob wir besondere kulinarische Wünsche haben. Brötchen vom Bäcker und leckeren Käse lautete die Antwort und die genießen wir.

Da Kirsten und Axel über Himmelfahrt in die Nordheide fahren, geben wir ihnen einen nicht geringen Teil unseres Gepäcks mit, damit sie dieses bei meinem Bruder Lars vorbeibringen. Schnorchel, Taucherbrille, Sandalen und weitere Kleidungsstücke benötigen wir in den nächsten Tagen nicht. Und da sind noch ein paar unterwegs erworbene Gegenstände; vor allem die voluminöse Kuscheldecke, die wir in Neuseeland für kühle Nächte erworben hatten und dann noch eine grüne Bratpfanne. Da das Equipment in Campervan nicht immer dem eigenen Wünschen entspricht, hatten wir uns in Australien eine Bratpfanne zugelegt. Ruth gefiel diese so sehr, dass sie meinte, dass wir diese wunderbar in unseren VW-Bus gebrauchen könnten. Folglich durften sich die Mitarbeiter an den Sicherheitskontrollen an den Flughäfen von Süd- und Mittelamerika, Neuseeland, Indonesien und Singapur beim Durchleuchten meines Rucksacks über eine kleine Bratpfanne nebst Holzlöffel wundern.

Auf in die alte Bundeshauptstadt

Nachmittags begeben wir uns zum Bahnhof und nehmen die Regionalbahn nach Siegen, wo wir in den Zug nach Siegburg/ Bonn umsteigen, denn wir haben schon länger eine Verabredung mit Claudia und Matthias, die wir in unserem ersten Sabbatjahr vor zehn Jahren kennenlernten und mit denen wir seit diesem Zeitpunkt befreundet sind.

Die beiden haben vor drei Jahren ein Sabbatical gemacht und so tauschen wir uns über Reiseerfahrungen, das Zurückkommen und das Ankommen im Alltag aus.

Wir spazieren am Rhein entlang; abends genießen wir es miteinander zu kochen und später zu spielen. Matthias und ich gönnen uns ein paar heiß umkämpfte Tischtennismatches.

Die beiden waren im Februar in Sri Lanka und Samstagabend kochen wir gemeinsam sri-lankisch. Sehr lecker, allerdings teilweise auch sehr scharf, da das Chilipulver doch stärkere Wirkung zeigte, als wir ahnten. Wie gut, dass der Reis ausgleichende Wirkung hat. Claudia will ihren Balkon mit Pflanzen gestalten. Da gibt es kaum eine bessere Beraterin als Ruth. Die beiden düsen Samstag zuerst auf den großen Flohmarkt in den Rheinauen, dann in einen Gartencenter und toben sich dann pflanzend auf dem Balkon aus, während Matthias und ich zu seinem VfB-Stuttgart Fanclub fahren, um das Spiel des VfB´s am letzten Bundesligaspieltag zu verfolgen. Ich schaue die Konferenz auf dem Tablet an und im Gegensatz zu den Stuttgartern hat der Anhänger der Kiezkicker kein Lächeln am Spätnachmittag auf den Lippen. Doch wie formulierte der legendäre Frankfurter Trainer Dragoslav Stepanović es so treffend, nachdem seine Mannschaft das Bundesligafinale 1992 verloren hatte: „Lebbe geht weider“.

Sonntagmittag feiern wir den Geburtstag von Claudias Schwager in einem vietnamesischen Restaurant. Seine Mutter ist Anfang Neunzig und mal wieder ist es interessant dieser Generation zuzuhören, wenn sie über ihre Erlebnisse während des dritten Reichs und dem zweiten Weltkrieg berichten. Wie weit Mitläufer, Spitzel und Widerständler jeweils agierten und auch den Alltag mitbestimmten.

Wir besuchen anschließend das Haus der Geschichte, einen Museum über die Geschichte der Bundesrepublik, die inzwischen auch um die Geschichte der DDR erweitert wurde. Wie im neuseeländischen Nationalmuseum gilt auch hier: Der Eintritt ist frei. Die Zeit reicht bei Weitem nicht. Ein Ort, den wir gerne nochmal aufsuchen wollen.

Vielen Dank - ihr habt uns das Ankommen sehr erleichtert.

Sweet home - 

Montagmittag folgt unsere letzte Etappe und wir brechen mit der Bahn Richtung Hamburg auf, wo wir abends den Schlüssel ins Türschloss unserer Wohnung stecken. Auch wenn noch drei freie Monate vor uns liegen, geht mit dem Absetzen der Rucksäcke unser Backpack-Langzeittrip zu Ende. Vor zehn Jahre traten beim Ablegen der Rucksäcke Tränen in unsere Augen, da uns bewusst wurde, dass diese einmalige Reise zu Ende ging. Dieses Mal bleiben die Augen trocken. Sind wir cooler geworden? Nein - das glauben wir nicht. In unserem ersten Sabbatical hatten wir uns erstmalig eine solch fantastische Reise gegönnt und nicht daran gedacht, dass wir es wiederholen werden. Damals stellten wir am Ende fest, dass wir liebend gerne noch weiter durch ferne Welten gereist wären. Es hatte uns selbst überrascht, dass diese Reiseform uns so „angefixt“ hat. Nachdem wir zum zweiten Mal solch eine Erfahrung gemacht haben, schließen wir nicht aus, uns auch noch ein drittes Mal ein derartiges Vergnügen zu schenken.

Die Vorstellung bald wieder zuhause zu sein, fühlte sich in den letzten Tagen der Reise für uns noch etwas unwirklich an. Wir freuen uns auf Zuhause, Schweden und Freunde zu sehen und gleichzeitig sind wir dem Charme des Langzeitreisen mal wieder erlegen. Beim Reisen mit dem Rucksack beschäftigen wir uns mit dem, was wir jetzt oder in nächster Zeit machen und erleben wollen. Das gilt es dann zu planen, organisieren und umzusetzen. Es gibt keine externen Verpflichtungen und Anforderungen von dritter Seite. Somit liegt alles in unserer Hand. Im Gegensatz dazu stehen zuhause Aufgaben an: Balkon herrichten, Auto wieder fit bekommen, Steuererklärung, Optiker, Zahnkontrolle - also alles die Dinge, um die wir uns über acht Monate lang nicht scheren brauchten. Und irgendwann wird dann auch der Arbeitsalltag laut an die Tür klopfen, viel Zeit und Energie fressen und externe Anforderungen werden die freie Selbstbestimmung rustikal an Seite schieben.

Doch wir widmen unsere Aufmerksamkeit lieber den angenehmen Gefühlen.

Noch bevor wir Freunde und Verwandte treffen, rennen wir auf den Kiez.

Als wir Ende März auf der neuseeländischen Südinsel im Campervan saßen, lasen wir, dass Thomas D. (von den Fantastischen Vier) eine Platte mit der Hamburger Band KBCS herausgebracht hat. Vor ein paar Jahren sahen und hörten wir diese Kombination auf dem Elbjazz-Festival. Legendär sein Lied „Rückenwind“ über den Reiseaufbruch.

Wir checkten die Tourdaten: Das passt drei Tage nach unserer Ankunft spielen er und die KBCS im Mojo-Club. Natürlich spielt er „Rückenwind“, aber auch den neuen Song „Das Leben ist ein Geschenk“, der unsere Stimmung auch trifft.

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