
#51 Gefühle und Gedanken am Ende unserer Fernreise
Zuhause - fernab von der Fernreise?
HAMBURG
05.06.26
6/5/202610 min read
Wieder zuhause - wie geht es uns nach unserer Rückkehr?
Dankbarkeit und Wehmut, die wir in Singapur verspürten, begleiten uns auch bei unserer Ankunft in Hamburg weiter. Die Dankbarkeit überwiegt bei Weitem. Wir sind fasziniert über die Vielfalt der Welt und durften neue Länder kennenlernen und in deren Kulturen eintauchen. Wir sind uns sicher, dass die Erlebnisse und Begegnungen uns weiter präsent sein werden und uns auch tragen. Bereits nach dem ersten Sabbatical haben wir gemerkt, wie weit auch im Nachhinein unser Herz von diesen Erfahrungen erwärmt wurde. Wir sind froh, dass wir Ruths Polarstep und unseren Blog haben, da beides wie ein Reisetagebuch ist. Wenn wir darin digital blättern, sind wir schon ein wenig überrascht, ja fast perplex, was wir alles in dem doch kurzen Zeitraum erlebt haben.


Wir haben keinen Urlaub gemacht, sondern sind als Reisende durch die Welt gestolpert. Urlaub heißt einen überschaubaren Zeitraum von ein paar Tagen oder Wochen frei zu haben. Meist hat man diese Zeit im Vorweg geplant; sei es Anreise, Unterkunft, mögliche Aktivitäten.
(Langzeit-)Reisen heißt im Hier und Jetzt zu leben, sich treiben lassen, unterwegs schauen, wohin es einen hinzieht. Eine tolle Mischung aus Freiheit und Selbstbestimmung. Vielleicht an Orten, die einen gut gefallen, länger als ursprünglich beabsichtigt zu verweilen oder auch nochmal dorthin zurückzukehren, wie wir es mit Valparaiso und Bali gehalten haben. Reisen ist für uns keine kurze Auszeit außerhalb des heimischen Alltags, sondern es ist in diesen zwölf Monaten unser Alltag. Wir haben neue Erfahrungen machen dürfen und andere Kulturen kennengelernt. Meist ist es spannender das Unbekannte zu entdecken als das Vertraute, auch wenn es gelegentlich anstrengend sein kann.


Unbestritten hat Langzeitreisen auch seine mühsamen Seiten, wenn es gleichzeitig gilt die kurz- und mittelfristigen Ziele mit Unterkunft und Transport festzulegen und zu organisieren und auch die langfristigen Planung im Blick zu haben. Insbesondere als wir in manchen Phasen noch nicht genau wussten, wonach uns ist, spürten wir die Qual der Wahl und den Druck der erforderlichen Entscheidung.
Wenn wir die beiden Sabbatjahre vergleichen, waren wir 2015 im Vorwege aufgeregter als dieses Mal, da das unbekannte Langzeit-Unterwegssein vor uns lag. 2025 waren wir aufgrund der positiven Reiseerfahrungen von vor zehn Jahren diesbzgl. entspannter. Dennoch neigten wir im Vorwege des zweiten Langzeittrips zu einigen skeptischen Gedanken, insbesondere in Hinsicht auf unseren CO2-Fußabdruck. Bewusst sind wir in den letzten Jahren nicht geflogen. Allerdings fanden wir kein alternatives klimaneutrales Reisemittel um unseren Reisehunger zu stillen und spürten Flugscham. Trotzdem sind wir mit Vorfreude und Optimismus aufgebrochen. Das Leben besteht halt aus vielen Zwiespälten und Kompromissen.
Als wir uns in den letzten Tagen über die unterschiedlichen Ausgangssituationen der beiden Sabbatjahre unterhielten, meinte Ruth, dass sie findet, dass eine negative Grundstimmung in Deutschland sich verstärkt habe. Erst die Klimakrise, dann die Pandemie, der russische Angriff auf die Ukraine und die weltweit zunehmenden Attacken auf demokratische Grundwerte schlagen kräftig aufs Gemüt. Ergänzend ist die (social) mediale Berichterstattung oft dramatisierend, teils reißerisch und erzeugt eine Flut von negativen Schlagzeilen (außer die DFB-Elf wird Weltmeister oder „Wir sind Papst“). Das geht auch nicht an uns spurlos vorbei. Der Krisenmodus scheint in unserer Welt normal zu sein und nagt an unseren Energiereserven. In solch einer Welt haben es die positiven, schönen Seiten des Lebens nicht gerade leicht.
Gleichwohl scheint eine negative Grundhaltung speziell eine deutsche Eigenschaft zu sein. Wiederholt bekamen wir auf unserer Reise zu hören, das Deutsche den Ruf haben „grumpy“ zu sein, was sich mit „mürrisch“ oder „griesgrämig“ übersetzen lässt. Auch gelten wir nicht als humorvoll. In vielen Ländern haben die Menschen eigentlich weniger zu lachen als wir und wirken dennoch zufriedener. In Indonesien sprechen viele Menschen über die Korruption und lassen sich trotz dieser Ungerechtigkeit nicht ihre Lebensfreude nehmen. Von diesen Menschen können wir einiges lernen.
Genug der negativen, griesgrämigen Betrachtungen und richten wir nun den Blick auf unsere frisch zurückliegende Monate. Schon unser erstes Sabbatjahr war von Optimismus geprägt. Die eigene mentale Haltung bestimmt wesentlich den Reiseverlauf und die Reiseerfahrung. Positiv, offen und freundlich den fremden Menschen zugewandt, versuchen wir stets uns durch andere Länder zu bewegen. Dabei versuchen wir die Effektivitätsbrille mit ihrem Optimierungsdrang abzulegen, um uns überraschen zu lassen und zu erfahren, dass es auch andere Lebenskonzepte und -werte gibt, die oft aus der Not geboren sind und funktionieren.


Je länger wir reisen, um so mehr wächst eine Leichtigkeit in uns und unser Zutrauen, dass das meiste sich irgendwie schon regeln wird. Sei es mit rudimentären Spanischkenntnissen durch Süd- und Mittelamerika seinen Weg zu finden oder exemplarisch sei auch die Kajaktour in Raja Ampat genannt, wo wir fernab einer Zivilisation, die weder den Einheimischen noch uns ein medizinisches Sicherheitsnetz bietet, uns bewegten und z.B. aus dem Kajak an steilen Ufern oder Stegen aus- und einstiegen und uns an nicht abgesicherten unwegsamen Geländern oder Baumwurzeln emporhangelten. Denn in solchen Situationen gilt es eine Entscheidung zu treffen: deutsche(s) Sicherheits(be)denken versus Ausprobieren und sich Draufeinlassen mit dem Vertrauen, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Wir sind ja nicht die ersten, die das machen.
Mentale Beweglichkeit erweitert den eigenen Horizont und nebenbei auch das eigene Herz. Wir sorgen uns ein wenig, dass uns diese Offenheit in den bekannten, engen, fast schon genormten Strukturen des heimatlichen Alltag wieder verloren geht.








Twenty years from now
ys
you will be more disappointed by the things
you didn't do than by the ones you did.
So throw off the bowlines. Sail away from the
safe harbor. Catch the trade winds in your sails.
Explore. Dream. Discover.
(Mark Twain)
Explore. Dream. Discover
Reisen ist eine phantastische und faszinierende Erfahrung. Diese Zeit und die Erinnerung an sie kann uns keiner nehmen. Wir sind Mark Twains Empfehlung zum zweiten Mal gefolgt:
Wir haben die Bugleine an Land geworfen, den heimatlichen Hafen verlassen, Segel gehisst und uns vom Wind treiben lassen.
Schon nach unserem ersten Sabbatical haben uns die Erinnerungen an diese Zeit lange getragen und immer noch denken wir gerne an die damaligen Erlebnisse zurück. Und nun werden sie von den Abenteuern unserer zweiten Auszeit ergänzt. Beruhigt stellen wir fest, dass wir die beiden Sabbaticals nicht vergleichen, sondern von beiden einfach nur begeistert sind.
Wie gesagt, wir leben beim Reisen im Hier und Jetzt. Was wir benötigen, befindet sich in unseren Rucksäcken und es ist beachtlich, wie wenig man eigentlich braucht. Allein schon keine externen Verpflichtungen, Termine und Anforderungen zu haben, ist Luxus pur. Zuhause neigen wir dazu die Zukunft und Termine zu planen und weniger die Gegenwart wahrzunehmen und zu genießen. Das Alltagsgetriebe übernimmt schnell das Kommando, während wir auf unserer Reise selbstbestimmt über unsere Zeit verfügen.


Eine tolle Zeit liegt hinter uns. Wir haben Neues entdeckt und dabei auch neue Dinge über uns selbst gelernt. Gesund, ohne Blessuren und große Probleme erkundeten wir Länder um den südlichen Pazifik. Dafür sind wir dankbar und die Erinnerung an all die tollen Naturerfahrungen, den Begegnungen mit phantastischen, hilfsbereiten und offenen Menschen rührt und wärmt unsere Herzen.
Was für ein großartiges und besonderes Geschenk!
Twenty years from now
ys
you will be more disappointed by the things
you didn't do than by the ones you did.
So throw off the bowlines. Sail away from the
safe harbor. Catch the trade winds in your sails.
Explore. Dream. Discover.
(Mark Twain)
Explore. Dream. Discover
Reisen ist eine phantastische und faszinierende Erfahrung. Diese Zeit und die Erinnerung an sie kann uns keiner nehmen. Wir sind Mark Twains Empfehlung zum zweiten Mal gefolgt:
Wir haben die Bugleine an Land geworfen, den heimatlichen Hafen verlassen, Segel gehisst und uns vom Wind treiben lassen.
Schon nach unserem ersten Sabbatical haben uns die Erinnerungen an diese Zeit lange getragen und immer noch denken wir gerne an die damaligen Erlebnisse zurück. Und nun werden sie von den Abenteuern unserer zweiten Auszeit ergänzt. Beruhigt stellen wir fest, dass wir die beiden Sabbaticals nicht vergleichen, sondern von beiden einfach nur begeistert sind.


Eine tolle Zeit liegt hinter uns. Wir haben Neues entdeckt und dabei auch neue Dinge über uns selbst gelernt. Gesund, ohne Blessuren und große Probleme erkundeten wir Länder um den südlichen Pazifik. Dafür sind wir dankbar und die Erinnerung an all die tollen Naturerfahrungen, den Begegnungen mit phantastischen, hilfsbereiten und offenen Menschen rührt und wärmt unsere Herzen.
Was für ein großartiges und besonderes Geschenk!
Wie gesagt, wir leben beim Reisen im Hier und Jetzt. Was wir benötigen, befindet sich in unseren Rucksäcken und es ist beachtlich, wie wenig man eigentlich braucht. Allein schon keine externen Verpflichtungen, Termine und Anforderungen zu haben, ist Luxus pur. Zuhause neigen wir dazu die Zukunft und Termine zu planen und weniger die Gegenwart wahrzunehmen und zu genießen. Das Alltagsgetriebe übernimmt schnell das Kommando, während wir auf unserer Reise selbstbestimmt über unsere Zeit verfügen.


















































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