#47 Bali zum Zweiten - Der Nordosten

Nach über acht Stunden landen wir in Bali. In Sanur beziehen wir für die erste Nacht Quartier, bevor wir am nächsten Tag in drei Stunden nach Amed im Nordosten weiterziehen

INDONESIEN

14.05.26

5/14/202610 min read

Welcome to Bali - Sonderkategorie 60plus

Am Spätnachmittag landen wir in Bali. Online hatten wir an verschiedenen Tagen vorher und mit verschiedenen Geräten versucht jeweils ein Online-Visa zu erlangen. Doch beim Hochladen des Fotos vom Reisepass scheiterte die Webseite. Also heißt es vor Ort beantragen. Die Schlange ist kurz und wir erhalten zügig ein Visum mit QR-Code. Nun müssen wir durch die Grenzkontrolle. Vor der regulären Immigration ist die Schlange lang, doch bei den Automatiktüren, wo Reisepass und Gesicht gescannt werden, kommt man zügig durch. Da wir nicht wissen, ob wir als Nicht-indonesische Staatsbürger mit unserem QR-Code-Visum die automatische Schranke passieren können, frage ich einen Zollbeamten und zeige meinen Pass. Er schaut drauf und schickt uns zu einer anderen Schlange, die wir noch nicht gesehen haben. Diese ist für special persons. Dazu gehören in Indonesien Familien mit Kleinkindern, Behinderte und Menschen über Sechzig. Okay - manchmal hat das Alter auch seine Vorteile (wobei ich ja wie einige wissen 49k Jahre alt bin).

Per grab-Taxi geht es zu einer netten Unterkunft in Sanur an der Ostküste. Nach einem Morgenspaziergang, bei dem uns mal wieder der viele Plastikmüll am Strand ins Auge springt, fahren wir in etwas über drei Stunden nach Amed im Nordosten der Insel. Auch auf der Landstraße ist viel Verkehr; insbesondere Lastkraftwagen an Steigungen oder Kurvenreichen Streckenabschnitten reduzieren das Durchschnittstempo kräftig. Da heißt es Geduld zu haben und die haben wir nach über acht Monaten auf Reisen.

Amed - kleine Idylle im Nordosten

Unser Ziel Amed haben wir ausgewählt, weil es schöne Schnorchelspots gibt und es touristisch nicht so überlaufen, wie der Süden sein soll. Wir erreichen unseren Bungalow, der direkt am Strand liegt. Viele Jukung, die Fischerboote mit zwei Auslegern, die wie die Beine von Spinnen aussehen, liegen am Strand, der aus schwarzem Sand und einigen Steinen besteht. Auch haben wir einen schönen Blick auf den Vulkan Gunung Agung. Schmunzeln müssen wir über die Fliesenbilder im Badezimmer. Auf einer sind Kraniche abgebildet, gegenüber ziert Mickey Mouse das Fliesenportfolio und neben der WC-Schüssel ist ein Bild der Rickmer Rickmers, die bekanntlich seit Jahrzehnten nach getaner Arbeit an den Hamburger Landungsbrücken ihren Alterswohnsitz gefunden hat.

Am frühen Abend genießen wir ausgezeichnetes thailändisches Essen. Als wir gerade gezahlt haben, legt ein Tropenregenschauer los. Da heißt es entweder nass werden oder Geduld haben und später losgehen. Wir entscheiden uns für die zweite Variante. Das Meeresrauschen begleitet sanft unseren Schlaf. Morgens frühstücken wir mit Blick aufs Meer. So darf der Tag gerne beginnen, auch wenn die Toasts etwas zäh sind.

Schnorcheln am Lipah Beach

Mit einem Motorroller und unserer Schnorchelausrüstung düsen wir zum fünf Kilometer entfernt liegenden Lipah Beach. Ruth will unbedingt nochmal Schildkröten sehen und sie wird nicht enttäuscht. Vom Strand schnorcheln wir über ein Riff und sehen einige Fische und ein paar Korallen. Welch angenehme Wassertemperaturen im Vergleich zu unseren neuseeländischen Badeerlebnissen. Wir schwenken nach Osten, wo laut einem Einheimischen Schildkröten oft Seegras fressen. Wir erwarten grünes Seegras und wundern uns dann, dass wir auf dem hellgrauen Boden eine Schildkröte beim Speisen sehen. Dann entdecken wir weitere Schildkröten. Ein paar Mal tauchen sie neben uns auf, schnappen nach Luft und tauchen wieder ab. Wir sind hin und weg. Auch sehen wir wie eine Schildkröte einer anderen zweimal verdeutlicht, dass es ihr Revier ist. Dass Schildkröten andere vertreiben, war uns bisher nicht bekannt. Kurz weiten sich meine Pupillen als ich unter mir ein schwarz-weißes schlängelndes Wesen sehe. Eine Seeschlange, deren Biss in der Regel zügig lebensbeendend ist. Wie gut, dass sie am Grund bleibt und ich respektvoll Abstand an der Meeresoberfläche halte.

Unterwasserwelt bei Amed Beach

Schnorcheln mit Schildkröten und Seeschlange auf Bali

Ab in die Berge

Tagsdrauf erkunden wir mit dem Roller das Hinterland. Steil gehen die saftig grünen Berghänge links und rechts auf mehrere hundert Meter hoch und kontinuierlich windet sich die Straße durch Felder und kleine Orte an den Hängen hoch. Wie gut, dass unser Roller ein etwas größeres, stärker motorisiertes Gefährt ist, dass uns solide den Berg hochzieht. Wir erreichen den langgezogenen Aussichtspunkt Lahangan Sweet. Von diesem Grad sehen wir neben den Tälern und Berghängen die Küste und im Westen den 3.142 Meter hohen Gunung Agung und im Osten auf der Nachbarinsel Lombok den 3.726 Meter hohen Vulkan Rinjani. Wir weilen einige Zeit dort und lassen unseren Blick genussvoll über die Landschaft und die Wolkenformationen an den Vulkanen schweifen. Online sahen wir Rezessionen mit Vermerken a la „super Instagram tauglicher Fotoshooting Spot“. Nun sehen wir es. An diesem Aussichtspunkt gibt es einige Plattformen für Selfies. Das kann ein Holzherz sein, in das man sich stellt oder ein Holzschiff (auf dem Bergrücken!), wo man sich am Steuer ablichten kann und es gibt zwei Plattformen an Bäumen, auf denen man sich stellt und Einheimische bieten gegen eine kleine Geldspende an, dass sie mit dem Smartphone Fotos von einem machen, während die Berghänge des Gurung Agung den Hintergrund bilden. Dabei geben sie jeweils Anweisungen, wie man sitzen, stehen oder positionieren soll. Das Wiederholen sie bei jedem, der ihr Angebot in Anspruch nimmt und das sind einige. Wahrscheinlich gibt es bei Instagram inzwischen hunderte gleiche Bilder, bei denen lediglich die Person ausgetauscht wird. Nicht auszuschließen, dass es zukünftig gar nicht mehr nötig sein wird, sich über die Serpentinen zu diesem Ort hochzukämpfen, da eine KI das eigene Konterfei stattdessen am heimischen Computer in Szene setzen kann. Wie schon an manch anderen Orten überrascht uns, dass viele ihre Selfies machen und sich kaum Zeit nehmen die wunderschöne Umgebung wahrzunehmen und auf sich wirken zu lassen. Das digitale Scheinen scheint wichtiger zu sein als das Sein in der Gegenwart.

Gänzlich unpassend und auch etwas respektlos wird es für uns, als wir ein paar Tage später erleben, wie sich eine holländische junge Dame in verschiedenen exzentrischen Positionen im Reisfeld von ihrem Freund, der mit der Drohne um sie herum fliegt, filmen und fotografieren lässt, während Bauern um sie herum in den Reisfeldern hart arbeiten.

Mag sein, dass ich ein wenig altmodisch denke, doch immer öfter frage ich mich, warum Menschen an tollen Orten posend Fotos von sich machen und immer im Vordergrund stehen und die Natur lediglich zu einem schönen Hintergrund wie eine Fototapete mutiert. Ist die Selbstinszenierung für die digitale Welt heutzutage wichtiger als der Genuss der Realität? Klar - machen wir auch immer wieder Fotos von uns, doch in der Regel fotografieren wir so, wie wir die Umgebung sehen - aus unserem Blickwinkel und der kann das eigene Konterfei lediglich im Spiegel sehen. Lediglich in der Salzwüste Salinas Grandes in Argentinien haben wir uns auch fotografieren lassen. Dort wird mit fehlenden Dimension gespielt und surreal witzige Fotos gemacht (siehe unseren Blogbeitrag #28 Oh wie schön ist Purmamarca (und auch Salta)). https://www.world-discover.de/28-oh-wie-schon-ist-purmamarca-und-auch-salta-copy

Da unsere Unterkunft „BBQ Guesthouse“ heißt, bietet unsere Gastfamilie an, dass Fisch gegrillt. Der Sohn grillt das Barrakudafilet, den ein Nachbar heute gefangen hat und die Mutter kocht Curry. Sehr lecker. Da wir wenig über den Barrakuda wissen, lesen wir ein wenig über diesen Fisch nach und uns wird dann doch ein wenig anders. Barrakuda stehen am Ende der Nahrungskette (natürlich vor dem Menschen). Sie neigen dazu bestimmte neurologische Giftstoffe in ihrem Fleisch anzusammeln, die zu Lebensmittelvergiftung mit dauerhaften neurologischen Beschwerden zu führen, die nicht behandelt werden können. Na toll - beruhigend ist lediglich, dass vor allem karibische Barrakudas davon betroffen sind. Dann hoffen wir mal das Beste, denken wir.

Am nächsten Tag spazieren wir zum Schnorcheln zwei Kilometer zur Nachbarbucht „Jemeluk Beach“. Hier tummeln sich zwar keine Schildkröten, doch dafür soll es an den Korallen mehr Fische geben. Vom Strand erkunden wir die Unterwasserwelt und sehen einige Fische. Die Korallen sind nicht so bunt wie wir es auch Raja Ampat kennen, doch wir sind zufrieden. Nach einer Pause gehen wir nochmal ins Wasser. Der Wind hat etwas zugenommen, dadurch ist die Sicht etwas trüber als beim ersten Schnorcheln. Doch der Wind hat noch eine weitere unangenehme Nebenwirkung. Er treibt Plastikmüll aus Verpackungen, Flaschen und Tüten in Richtung Strand. Spaß macht es nicht und daher verlasse ich etwas genervt diesen Bereich mit unserem Zivilisationsmüll und schnorchel noch ein wenig im ruhigeren, tütenfreien Teil der Bucht.

Tirta Gangga - der königliche Wasserpalast

Nach vier Tagen verlassen wir Amed und auf dem Weg halten wir am Wasserpalast „Tirta Gangga“ in Amlapura an. Der König von der Region Karangasem ließ diesen Palast 1946 erbauen. 1963 zerstörte eine Eruption den benachbarten Vulkan Gurung Agung die Anlage. Sie wurde wieder aufgebaut. Sie gehört der alten Königsfamilie, erzählt uns unser Fahrer Dilai. Der König habe keine Macht mehr und durch die Besucher, die so wie wir Eintritt zahlen, verdient er einen Teil seines Einkommens. Ein Hotel und Restaurant gehören ebenfalls zum Palastgarten und tragen ebenfalls zum Salär der Königsfamilie bei. Eine sehr schöne Gartenanlage. Auf dem weiteren Weg begegnet uns eine Zeremonie auf der Straße.